Interpret:
Hot Chip
Plattentitel:
Made In The Dark
Label:
EMI
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.5 von 10
Autor:
Kai Töpel
Dresden, 26.02.2008
Obwohl die Veröffentlichung von „The Warning“, dem letzten Album von Hot Chip, bereits fast zwei Jahre zurückliegt, waren die fünf Electropopper aus England eigentlich nie weg. Neben unzähligen Remixen, unter anderen von Amy Winehouse, Junior Boys, Kraftwerk, CSS und !!!, und einer DJ-Kicks Compilation, blieben sie auch mit gefeierten Auftritten wie beim Melt 2007, und eher ernüchternden DJ-Sets wie in der Panorama Bar in Berlin, wo sie gebeten wurden abzubrechen, in Erinnerung. Gerade weil sie mit ihrem tanzbaren Mix aus Electro, Gitarrenmusik, Soul und besonders viel Pop nicht nur die Indiegemeinde für sich begeistern, sondern auch die Fachpresse, gehörte „Made In The Dark“ zu den am meisten erwarteten Alben 2008.
Erste Ernüchterung, mit „Made In The Dark“ entfernen sich Hot Chip von der Konsensband wie zu „The Warning“ Zeiten, und nicht nur in unserer Redaktion gibt es kontroverse Meinungen zu ihrem neuesten Werk. Dabei fügt sich ihre erste Single gut in ihr vorheriges Werk ein. „Ready For The Floor“ quiekt mit Gameboy-Sounds fröhlich vor sich hin und beißt sich Hot Chip typisch im Hörgang fest. Dazwischen klingt wieder die perfekte Mischung aus Gitarren und Synthesizereinsätzen durch, die zusammen mit der prägnanten Stimme von Joe Goddard ihrem Sound das Fundament geben. Obwohl die Songs insgesamt elektronischer wirken, gilt jedoch für „Ready On The Floor“ genauso wie für die meisten anderen Lieder des Albums: Die Tanzbarkeit von „The Warning“ und vor allem des Überhits „Over and Over“ lässt sich nicht finden. Stattdessen wirkt alles doch poppiger und vor allem noch experimenteller als auf den Vorgängern. Dazu passt auch „Shake a Fist“, welches bei zwei Minuten plötzlich stoppt und der Hörer mit einer Durchsage gebeten wird, sich für den kommenden Part doch Kopfhörer anzuziehen, um die folgenden Effekte zu genießen. Lustig beim ersten Hören, nervig bei allen folgenden. Dazu wirken viele Lieder einfach zu vollgestopft, zu viele Kleinigkeiten und Ideen scheinen Hot Chip in einem Lied verewigen zu wollen.
Da tut ein einfaches Lied wie „We’re Looking For A Lot Of Love“, ähnlich wie damals der Titeltrack zu „The Warning“, richtig gut. Nun klingt auch das erste Mal die eher soulige Seite von Hot Chip heraus, die sich auch in „Made In The Dark“ und im an R.Kelly orientierten Song „Wrestlers“ wiederfindet. Neben dem schon genannten „Ready For The Floor“ ist es wohl „One Pure Thought“, welches sich durch einen beschwingten Beat und recht viel Einsatz von Gitarren als clubtauglich erweisen könnte.
Zum Ende der Platte finden Hot Chip ihre eher ruhige Seite und beenden ihr Album mit „Whistle For Will“ und „In The Privacy Of Our Love“ mit zwei Balladen. Besonders der letzte Titel kann noch einmal mit Einfachheit begeistern. Allein durch Pianoeinsatz und von einem zögerlich geklatschten Beat unterstützt, bauen Alexis Taylor und Joe Goddard mit ihren Stimmen eine wunderschöne Stimmung auf.
Insgesamt können Hot Chip die großen Erwartungen nach „The Warning“ nicht erfüllen, was jedoch weder nötig war noch realistisch. Statt auf der Stelle zu stehen, überraschen sie mit vielen Experimenten, Ideen und einem noch klareren Hang zum Pop. Dabei ist eine sehr gute Platte herausgekommen, die leider aber auch über wenige Durststrecken verfügt und an manchen Stellen einfach zu voll gestopft wirkt. Nichtsdestotrotz, Hot Chip sind allein durch ihre Remixe und begeisternden Liveauftritte bereits eine der wichtigsten Bands des 21. Jahrhunderts.