DETAILS

Interpret:
Helgi Hrafn Jónsson

Plattentitel:
For The Rest Of My Childhood

Label:
Sevenahalf / Broken Silence

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 19.10.2009

PLATTENKISTE

Helgi Hrafn Jónsson - For The Rest Of My Childhood

Helgi Hrafn Jónsson - For The Rest Of My Childhood

Man muss sich nur das Plattencover anschauen - diesen kleinen jungen, der mit einer riesigen Wunderkerze und roter Strickmütze, der freudestrahlend in seiner eigenen Welt versunken ist - um gleich zu wissen, dass diese Musik nur aus dem Land der Geysire und Minister für Feen stammen kann. Das, was man an isländischer Musik heutzutage als „typisch“ bezeichnet würde, ist Ausdruck dessen, was uns vor allem Sigur Ros in den letzten Jahren servierten und so ist es nur wenig verwunderlich, dass Helgi Jonssons Album, das allein vom Cover her schon Bezug nimmt auf Islands Superstars, auch vom Sound her vertraute, doch im gleichen Atemzug berauschende, Welten betritt.

Leise, bedächtig schleicht sich Jonsson in Songs wie „Dry Run“ an die Futtertöpfe der großen Gefühle und lässt diese Songs in einer kurzen Explosion aus Streichern verglühen. Leidend ist das, doch niemals selbstmitleidig. Wenn sich im Eröffnungssong „Ashes Away“ über ein wolkenverhangenes Klavier langsam windschiefe Streicher schieben, Jonsson mit seiner Stimme immer höhere Höhen seiner Falsettstimme auslotet, dann ist das betörend schön, so dass man sich gleich hinlegen möchte, um Schneeflocken zu zählen oder wenigstens ihre Formen zu sortieren.

In „Digging Up A Tree“ nimmt sich Jonsson die Turin Brakes und die Songs ihres Debüts „The Optimist LP“ zum Vorbild. Doch Jonssons wahre Stärken liegen in den langsamen Elegien, wie „This Solicitude“, das mit einer absolut unaufgeregt spielenden Dorfkapelle genau den Spagat zwischen wahren und großen Gefühlen schafft, ohne dabei ins Platte, Kitschige abzudriften. Ein Song, der die ganze Last des Lebens in viereinhalb Minuten komprimiert und von dessen Wucht man sich nur langsam wieder erholt.

So sehr man auch den Vergleich mit Sigur Ros vermeiden möchte, in einem gleichen sich Jonsson und Sänger Jonsi Birgisson: Beide benutzen ihre Stimmen zum Teil wie ein Instrument, singen mal entrückt, mal flüsternd leise. Auch Jonsson bedient sich ab und an einer Phantasiesprache, da er manchmal die passenden Worte für seine Songs nicht findet. Das macht gar nichts, sondern steigert nur die Faszination für ein Album, das auf der einen Seite hoffnungslos melodieverliebt, auf der anderen Seite jedoch auch schrullig genug ist, um an einigen Stellen anzuecken. „Typisch“ isländisch halt.

 

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