DETAILS

Interpret:
Hanne Hukkelberg

Plattentitel:
Blood From A Stone

Label:
Nettwerk / Soulfood

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 04.05.2009

PLATTENKISTE

Hanne Hukkelberg - Blood From A Stone

Hanne Hukkelberg - Blood From A Stone

Wenn Robert Smith, seines Zeichens Sänger der gerade vom NME zu "Godlike Geniusses" gekürten Band The Cure, einmal die Ideen ausgehen sollten (und wenn man die letzten Alben der Band so betrachtet, liegt dieser Tag nicht mehr in allzu weiter Ferne), sollte er sich schleunigst in ein Flugzeug setzen und mit Überschall nach Norwegen jetten und sich dort einen Zug, einen Hundeschlitten oder was auch immer nach Semja schnappen. Wenn er dann ankommt, an diesem kalten, verlassenen Flecken Erde, dieser nur 300 Kilometer vom nördlichen Polarkreis entfernten Insel, wird er möglicherweise Hanne Hukkelberg treffen, die dort ausharrt, als dunkelgekleidete Schneekönigin verkleidet, und die Lieder ihres neuen Albums "Blood From A Stone" für sich selbst vorsingt. Immer und immer wieder, während sie nebenbei auf Ofenrohre, Küchengegenstände und allerlei andere sonderbare Gegenstände klöppelt, bis diese ihre perkussiven Geheimnisse offenbaren.

Doch nicht nur Robert Smith könnte in der Musik des neuen Hukkelberg-Albums versinken wie Münchhausen in einem Sumpf, die von einer endlosen musikalischen Weite geprägt ist, wie man sie so nur aus skandinavischen Ländern (und hier vor allem Island und eben Norwegen) kennt. Alles auf "Blood From A Stone" ist transparent und klar wie Felsquellwasser und Hanne Hukkelbergs Stimme ist dabei von einer eleganten Wandelbarkeit, die teilweise an Kate Bush erinnern lässt, auch wenn Hukkelberg ein wenig reservierter zur Sache geht als die große Dame der Achtziger Jahre. Doch das Arsenal an merkwürdigen Geräuschen ist dabei mehr als achtbar: eine singende Säge, Zugtüren, Möwen, alle kommen auf diesem Album zu Wort und das dermaßen einnehmend, dass alles um einen herum ein paar gefühlte Grad kälter wird, legt man "Blood From A Stone" in seinen CD-Player.

Doch trotz aller Skurrilität in der Auswahl der Sounds ist dieses Album voll bezaubernder Melodien, die dazu verlocken, sich einfach mal wieder auf den Wohnzimmerboden, statt aufs Sofa, zu hocken, während man dieses Album hört. Bald schon, spätestens bei "Seventeen" mit seinen dunklen, mystischen Cure-Gitarren und dem geheimnisvollen Standbass im Hintergrund, stellt man fest, dass man mittlerweile liegt und die Decke anstarrt. Bei "Salt Of The Earth" fühlt man sich dank der industriellen Perkussion an Tom Waits erinnert. Doch im Unterschied zu dem alten Mann kann Hukkelberg, die in ihrer Jugend Jazzgesang studierte, wirklich singen. Dieses Zusammentreffen aus Wohlklang und geplanter Kakophonie, aus ätherischen Melodien und unberechenbarer Perkussion, machen den Reiz dieses Albums aus. Dabei spielt Hukkelberg noch nicht einmal bewusst die Exotenkarte aus, die man als norwegische Sängerin quasi mit der Geburt in die Wiege gelegt bekommt. Erst ganz zum Schluss fällt einem auf, dass "Bygd Til By" auf norwegisch gesungen wird. Doch das ist am Ende nur noch nebensächlich. Wenn das Album zum Schluss mit einer halben Minute Stille endet, ertappt man sich dabei, dass man noch immer auf dem Boden liegt, die Decke anstarrt und darauf hofft, dass irgend jemand für einen die Repeat-Taste drückt, auf dass man noch ein Weilchen in dieser angenehmen Position verweilen darf. 

 

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