DETAILS

Interpret:
Guns N' Roses

Plattentitel:
Chinese Democracy

Label:
Geffen / Interscope / Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
4.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Köln, 08.12.2008

PLATTENKISTE

Guns N' Roses - Chinese Democracy

Guns N' Roses - Chinese Democracy

Zunächst einmal müssen wir mit einem weit verbreiteten Irrtum aufräumen: Der riesige Hype um „Chinese Democracy“, das bereits jetzt legendäre Nachfolgewerk zum ebenfalls legendären „Use Your Illusion“, entstand nicht allein durch die 15-jährige Wartezeit. Nein, der Rummel um „Chinese Democracy“ entstand größtenteils dadurch, dass der Zuhörer Teil wurde einer riesigen Selbstzerfleischungsmaschinerie namens Guns N' Roses, die alle ihre Mitglieder an den Rande des Zusammenbruchs führte. Und im Auge des Hurrikans stand Axl Rose und die Zeit um ihn herum stand ebenfalls still.

Man kann es drehen und wenden wie man will, alleine durch die Veröffentlichung von „Chinese Democracy“ zerstört Axl Rose eigenhändig den Mythos, den er mit so viel Blut, Schweiß und Tränen aufgebaut hat. Slash, das kongeniale musikalische Gegengewicht zum manisch perfektionistischen Rose und mit keiner Silbe im Booklet erwähnt, musste bereits 1996 gehen, wurde dann von Gitarristen ersetzt, die mit ihren Kampfnamen wie Buckethead oder Bumblefoot eher an Wrestler erinnern denn an Musiker. Und genauso klingen sie dann auch, die Gitarren auf „Chinese Democracy“. Kein Song kommt ohne das obligatorische selbstgefällige Solo aus, das vor Bewunderung vor dem eigenen Können nur so trieft. Der ansonsten gute, weil nicht erwartete monolithische Ausbruch im Titelsong wird bereits nach wenigen Takten durch eine gniedelige Gitarre ins Lächerliche gezogen.

Vieles auf „Chinese Democracy“ möchte den Geist von 1991 mit den heutigen technischen Standards ins Hier und Jetzt transportieren. Dies gelingt manchmal erstaunlich gut, wie in „Better“, das zwar einen strunzdummen Refrain besitzt, dies aber durch einen stampfenden Beat wieder ausgleicht. Dazu kreischt Axl Rose so frisch und unverbraucht, als wären die Gerüchte der letzten Jahre allesamt Zeitungsenten gewesen. Bei „I.R.S.“ ist es dann genau umgekehrt, der Song lebt allein von seinem Refrain.

Man kann es kitschig und romantisierend nennen, was Axl Rose auf „Chinese Democracy“ veranstaltet, vor allem bei den balladesken Songs „Madagascar“ und „Street Dreams“. Dieselben falschen Streicher, derselbe Pathos, derselbe Größenwahn wie schon auf „Use Your Illusion“. Leider will ihm der ganz große Song nicht mehr gelingen, die Ansätze sind vorhanden, doch gingen sie in all den Jahren des Irrlichterns wohl unter. Es ist beileibe nicht das Fiasko geworden, das viele vermutet (und heimlich vielleicht auch gewünscht) hätten. Es ist aber auch kein Befreiungsschlag geworden. Es ist einfach ein mediokres Album geworden, über das zu sprechen nicht der Rede Wert gewesen wäre, wenn es nicht von Guns N' Roses stammen würde. Und das ist vielleicht das Schlimmste, was man über „Chinese Democracy“ sagen kann: Axl Rose hätte mit diesem Album unendlich tief fallen können, er hätte auch wie Phoenix aus der Asche aufsteigen können. Weder das Eine noch das Andere ist ihm dabei geglückt.


 

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