DETAILS

Interpret:
Guilty Simpson

Plattentitel:
OJ Simpson

Label:
Stones Throw / Groove Attack

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
7.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 31.05.2010

PLATTENKISTE

Guilty Simpson - OJ Simpson

Guilty Simpson - OJ Simpson

Dieses Album hätte genauso gut auch „dto.“ heißen können. Denn ich verstehe nicht so ganz, warum das Detroit-Rap-Original Guilty Simpson sich mit den Beat-Tausendsasa Madlib aus Los Angeles zusammenschließt, beide jeweils ein Dutzend Tracks für dieses Album beisteuern und das Resultat dann „OJ Simpson“ nennen. Schließlich setzt sich der Album-Titel nämlich aus den Namen der beiden Underground-HipHop-Größen zusammen: Madlib aka Otis Jackson auf der einen und Guilty Simpson auf der anderen Seite. Es wundert mich nur ein wenig, denn in gewisser Weise wird hier mit einer von Madlib, seinen Kollaborateuren und Stones Throw gepflegten Tradition gebrochen.

MF Doom und Madlib bilden das Dreamteam Madvillain, J Dilla und Madlib waren die Giganten Jaylib. Warum sind Guilty Simpson und Madlib also nur im Album-Titel die nächsten Hoffnungsträger „OJ Simpson“? Stark wäre es wirklich gewesen. Womöglich liegt es daran, dass für „OJ Simpson“ keine oder besser gesagt kaum Projekt-Beats von Madlib geschustert wurden, die hier ein homogenes Beat-Biotop geschaffen hätten. Und um ehrlich zu sein ist es das, was mich an dieser Platte ein bisschen stört. Für jemanden wie Madlib, der mal behauptet hat, dass er morgens aufsteht und Beat an Beat produziert, bis die Sonne wieder untergeht, ist die hier vertretene Anzahl neuer Rhythmus- und Groove-Gebilde doch mager ausgefallen.

Neu ist diese Weiterverarbeitung von ihm längst bekannter Beats für Madlib allerdings nicht. Aber die zwölf Instrumental-Tracks auf „OJ Simpson“ sind alte Schinken, die schon auf Madlibs „Medicine Shows“, den „Movie Scenes“ usw. von ihm gereicht wurden. Staubig, knackig und gewohnt lahmend sind sie aber deswegen nicht weniger. Anders kann ich es nicht sagen: Es ist immer wieder erfrischend diese layed back Produktionen aus altem Soul, Funk und Rhythm & Blues, gespickt mit smarten Voice-Samples und mal dröhnenden und mal tippelnden Drums aus der MPC von ihm zu hören. Bei Madlib-Produktionen habe ich immer das Gefühl ein vergilbtes Comic auf psychedelischen Substanzen zu hören. Es klingt alles so herrlich alt und ein bisschen eingerostet, so dass scheinbar die Gefahr besteht, dass dieses Abspielen das letzte Mal war. Dem Beat Konducta gelingt es nun mal wie keinem anderen in Zeiten von CDs und MP3s, Neues alt klingen zu lassen. Seine schrill-scheppernden Beats transportieren dabei auch immer den Sexappeal vergangener Jahrzehnte.

Es ist aber auch Guilty Simpsons tiefe Stimme, die hier ganz viel Charme in die Raps legt und gehörig die rappende Konkurrenz in den Schatten stellt. „OJ Simpson pimpin'“ ist der erste Reim, den er uns in „O.J. Simpson“ um die Ohren brummt und der Beat ordentlich drückt. Man hört, dass Detroit seine Stadt ist, und anders als auf seinem 2008 erschienen „Ode To The Ghetto“ klingt er hier bedeutend enthusiastischer, ja sogar um einiges lässiger. „New Heights“ sind bei ihm in Verbindung mit den flattrigen Voice- und Hammond-Samples nicht bloß ein Song-Titel. Angriffslustig und wie ausgewechselt, die Raps auf den Punkt bringend, nuschelt er seine Straßen-Erfahrungen in „Karma Of A Kingpin“ dahin. Besonders zu gute kann ihm aber gehalten werden, dass er außer in „Scratch Warning (Feat. Frank)“ und in „Outside (Feat. Strong Arm Steady)“ auf weitere Gastauftritte verzichtet. Zum einen lenkt so nichts seinen smarten Raps ab und zum anderen fügt sich so doch unterm Strich alles einem homogenen Gesamtbild. Der Schulterschluss zwischen Madlib und Guilty Simpson klappt, sie sind „Back On The Road Again“. Nur wären neue Instrumental-Produktionen von Madlib und die Taufe als Projekt mit dem Namen OJ Simpson hier noch das Tüpfelchen auf dem I gewesen.

 

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