Interpret:
Guilty Simpson
Plattentitel:
Ode To The Ghetto
Label:
Stones Throw / Groove Attack
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
5.5 von 10
Autor:
Michael Weber
Köln, 18.03.2008
Als 2006 J Dilla nach langer Krankheit starb, platzten gleich mehrere Träume auf einmal. Für Fans und Kritiker hieß das, dass man wohl nur noch den postumen Rest seiner noch fertig gestellten Beats zu hören bekommen wird und dann war es das. Kein Konzept, kein Production Exclusive mehr, weder für die Fans noch für Stones Throw oder irgendeinen Künstler auf diesem oder einem anderen Label. Richtig bitter dürfte da wohl Dillas Verlusst bei Guilty Simpson ausgefallen sein, steckte er doch zu diesem Zeitpunkt in der Produktionsphase seines ersten und lang ersehnten Albums, welches er gemeinsam mit Dr.Dres Produzenten Mr. Porter und J Dilla stemmen wollte.
Das Projekt wurde erst einmal auf Eis gelegt, womit sich Simpsons Karriere mit eigenem Album um weitere zwei Jahre verzögern sollte. Aber damit nicht genug, denn anscheinend existierten nach J Dillas Tot lediglich zwei fertige Beats von Mr. Porter und einer des Verstorbenen. Den Rest nahm dieser wohl -Dilla in Ehren- mit ins Grab. So muss es dann auch dazu gekommen sein, dass die angestrebte Griffigkeit des Albums bestehend aus zwei sich abwechselnden Produzenten und einem MC verworfen werde musste. Stattdessen nahm man die Arbeit mit Madlib, Oh No, Black Milk, DJ Babu und Konnie Ross wieder auf. So zeigt Guilty Simpson sein Können mal wieder auf Beats unterschiedlicher Produzenten. Und eigentlich wäre es jetzt an der Zeit gewesen, dass er mal konstant mit nur einem oder in seinem Fall mit zwei Produzenten zusammenarbeitet. Auf dem nun eingeschlagenen Weg mit gleich sechs unterschiedlichen Beat-Akrobaten gleicht „Ode To The Ghetto“ mehr einem Album, dass aus Simpsons gesammelten Singles zusammengewürfelt wurde.
Abgesehen von den diversen Beats bleibt Simpson seiner inhaltlichen Linie treu, auch wenn diese äußerst kontrovers diskutiert werden kann. Alternative Rap auf feinsten Underground Hip Hop Beats mit Left-Field Gehversuchen soll er machen. Und ja, der Gesamteindruck kommt dieser Aussage mit Madlibs, Black Milks und Oh Nos Prduktionen sehr nahe, wären da nicht diese Auswüchse des Gangsters in seinen Lyrics. Eine kleine Gangster-Oper hat er mit „Ode To The Ghetto“ geschaffen, die nicht jedem bekommen wird. Nähert sich Stones Throw mit seinen jungen MCs jetzt etwa komplett den Regeln der Straße an? Zu hoffen ist es nicht. Man erinnert sich: Roc `C´s „All Questions Answered“ beschritt ähnliche Pfade und wurde dafür abgestraft. Gerade das Titelstück „Ode To The Ghetto“ repräsentiert die Ansicht, dass das urbane Pflaster wie ein Dschungel aus Gewalt und Korruption erscheint, in dem nicht nur Guilty Simpson um sein Überleben kämpft, sondern auch sein Label. Und weder er noch Stones Throw aus Los Angeles haben es nötig, sich in Detroit so zu behaupten.
In „She Won´t Stay At Home“ geht die Odyssee des rappenden Pimps ungehalten weiter und in „Pigs“ wird mal wieder der tägliche Überlebenskampf eines schwarzen Hip Hop-Interpreten anschaulich dargestellt. Und sollte es jemals jemand wagen, sich mit den Jungs an der Ecke bestehend aus Guilty Simpson, Sean P und Black Milk anzulegen, für den heißt es dann nur noch: „Run“ bzw. auf der anderen Seite „Kill ´Em“. Schade ist nur, dass Guilty Simpson seinen „My Moment“ bekommen hat, ihn aber nur gerade ausreichend für so zeitgenössich schöne und zum Teil schleppend kernige Beats glänzen lässt. Zu bullig und einfallslos tritt er auf, verdirbt sich seinen Flow durch die Gemütlichkeit eines Hustlers und hieft die häufig mit Hip Hop in Verbindung gebrachten Eigenschaften zu glorreichen Tugenden empor. Wäre Dilla noch am leben, dann wäre „Ode To The Ghetto“ nicht so derb ausgefallen. Lässt doch sein einzig produzierter Track „I Must Love You“ eben diese These zu. Abgesehen von seinen weichen Beat, ist es nämlich auch inhaltlich eine Glanztat für Simpson.