Interpret:
Grizzly Bear
Plattentitel:
Veckatimest
Label:
Warp / Rough Trade
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
9.0 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Köln, 08.06.2009
Der Albumtitel lässt einen an ferne Galaxien denken. „Veckatimest“, könnte auch der Name eines längst verschollenen Königreichs sein, das zufällig bei Ausgrabungen wiederentdeckt wurde. Komisch ist es dann schon wenn man erfährt, dass Veckatimest der Name einer Insel in der Nähe des amerikanischen Touristenparadieses Cape Cod ist, also gar nicht so weit weg von der Zivilisation, auch wenn auf der Insel nicht viel mehr als ein paar Felsen und eben jene Hütte liegt, in der Grizzly Bear die Inspiration für ihr Nachfolgealbum des von den Kritikern geliebten „Yellow House“ sammelten.
So ist es auch genau diese Kombination aus Wohlbekanntem und sanft Verfremdetem, das den Charme des Albums ausmacht. „Southern Point“ beginnt mit fein ausgewähltem Fingerpicking auf der Gitarre, bevor es sich zu einer wahren Klangcollage aus rückwärtsgelooptem Schlagzeug und allerlei merkwürdigen Sounds aus dem verstaubten Kleiderschrank deiner Großeltern zusammensetzt, die in ihrer Gesamtheit etwas vollkommen Neues entstehen lassen.
Bei den ersten vergilbten Klaviertönen des, ähem, Hits „Two Weeks“ kommt man nicht umhin, an Brian Wilson und seine barocke kalifornische Lebensfreude zu denken, die Stimme, die Melodie, die „Uhs“ uns „Ahs“ ergeben am Ende trotz aller Gemeinsamkeiten zum Beach Boys-Vordenker etwas komplett Neues. So, wie DJ Shadow damals auf seinem Debütalbum „Endtroducing“ aus vielen verschiedenen Samples einen neuen Sound kreierte, bedienen sich auch Grizzly Bear an Versatzstücken der sonnigen Sechziger, um daraus die Ostküstenversion zu fabrizieren. Manchmal genügt ihnen dabei auch das Gerüst aus Gitarre und Schlagzeug und ganz viel Hall, um denselben Effekt wie Wilson zu erzielen.
Es ist kein Geheimnis, man wird dieses Jahr an diesem Album nicht vorbeikommen, so wie man letztes Jahr auch die Fleet Foxes nur überhören konnte, wenn man zufälligerweise ein komplettes Jahr im Big Brother-Container eingesperrt war. So ist es auch wenig verwunderlich, dass nun vom Kollegen und Bewunderer Robin Pecknold, seines Zeichens Sänger eben jener Fleet Foxes, das wohl größte Lob über „Veckatimest“ stammt: „They‘ve made the best album of the decade“ wird dieser in verschiedenen Musikzeitschriften zitiert. Da man selbst noch dabei ist, die vielen Facetten dieses Albums kennen und lieben zu lernen, scheint diese Aussage zur Zeit noch ein wenig übertrieben. Aber auch nur ein ganz klein wenig.