Interpret:
Graham Coxon
Plattentitel:
The Spinning Top
Label:
Transgressive Records / Rough Trade
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
6.0 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 10.08.2009
Marketingtechnisch hat Graham Coxon einen katastrophalen Fehler begangen: in einer Zeit, in der sich alles, alles, alles nur um die gloriose Blur-Reunion dreht, in der Coxon selbst sagt, dass die Fans vage Hoffnungen auf ein neues Blur-Album hegen dürfen, veröffentlicht dieser kreative Querkopf sein neues Soloalbum „The Spinning Top“. Schwer ist es, dieses Werk nicht vorschnell als Nebenprodukt und Beiwerk zu den hohen Ambitionen seiner wiedervereinten Hauptband abzustempeln.
Als wäre dies nicht schon genug, überrascht uns Coxon mit einer 180 Grad-Wende im Vergleich zum Vorgängeralbum „Love Travels At Illegal Speeds“ aus dem Jahre 2006. Statt krachigem Brit-Punk wird uns in 15 Stücken zuckersüßer Gitarrenfolk präsentiert, wie ihn selbst John Lennon in seiner „Make Love Not War“-Phase nicht ehrlicher hätte rüberbringen können. Disharmonien und Lautstärke gibt es nur in „Dead Bees“, das an Blur in der „13“-Phase erinnert, das letzte Album, an dem Coxon aktiv beteiligt war. Der Rest: Folkpreziosen, nicht virtuos, doch mit sehr viel Liebe zum Detail gespielt. Coxons näselnde Stimme passt dazu wie die Faust aufs Auge.
Man bekommt fast ein wenig zu viel geboten für sein Geld, denn bei einer Spielzeit von über einer Stunde wird das Album vor allem zum Ende hin recht eintönig und altbacken, wiederholt sich zu sehr in ein und derselben Idee. Ein bisschen mehr Gaspedal hätte diesem Album sicherlich gut getan. So wird auch „The Spinning Top“ nichts an der Tatsache ändern, dass Graham Coxon für immer „der geniale Gitarrist von Blur“ bleiben wird, dessen Solokarriere Chronisten dazu dienen wird, bestimmte Lebensabschnitte Coxons besser nachvollziehen zu können.