DETAILS

Interpret:
Gorillaz

Plattentitel:
Plastic Beach

Label:
EMI

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.5 von 10

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Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 15.03.2010

PLATTENKISTE

Gorillaz - Plastic Beach

Gorillaz - Plastic Beach

Bei Veröffentlichung dieser Rezension wird der Leser bereits bestens informiert sein über die Parallelwelt, die sich die Gorillaz im Pazifischen Ozean aufgebaut haben. Aus einem Müllberg erbaute Bassist Murdoc eine neue Heimat für sich und seine Band, die titelgebende „Plastic Beach“. Drummer Russell ist spurlos verschwunden, ebenso Gitarristin Noodles, die jedoch geklont werden konnte. Sänger 2D wurde kurzerhand von Murdoc entführt und muss nun mit ansehen, wie täglich neue Gastsänger auf die Insel gelangen. Was, der Leser hat von dieser Vorgeschichte bislang noch nichts gehört? Nicht im Radio, im Internet oder Zeitungen? Macht nichts, macht rein gar nichts.

Selbstverständlich ist die Rahmenhandlung zur Veröffentlichung des dritten und wahrscheinlich letzten Gorillaz-Album amüsant und durchgeknallt, doch entscheidend ist, frei nach Herberger, auf der Platte, respektive CD. Was hat uns Damon Albarn unter seinem Alter Ego diesmal kredenzt? Welche Gäste werden wir im Gorillaz-Universum begrüßen dürfen? Oder die naheliegendste Frage: Wie will er „Demon Days“, dieses superbe Vorgängeralbum, überhaupt noch toppen?

Die Gorillaz suchen ihr Heil buchstäblich in der Flucht, indem sie die „Plastic Beach“ als lyrischen Ausgangspunkt ihrer 16 Songs nehmen. Nach einem kurzen, filmorchestralen Intro begrüßt uns zugleich ein fiepsiges Herbie-Hancock-Keyboard. Auch Snoop Dogg wartet am Strand, doch klingt sein Willkommensgruß ausgesprochen eher wie „Plastic Biatch“. Vieles auf diesem Album wirkt kaputt und behelfsmäßig zusammengeflickt. In „Rhinestone Eyes“ singt ein gelangweilter 2D (also Albarn) zu billigen, aber effektiven Keyboardsounds. Die erste Single „Stylo“ braucht ein paar Hördurchläufe um anzukommen, aber spätestens wenn der große Bobby Womack sich den Soul aus dem Leib singt, wird deutlich, wie einfach sich bei den Gorillaz Hits stricken lassen. Mos Def rappt dazu aus dem Off noch ein paar Zeilen.

Wie verschwenderisch die Gorillaz mit ihren Gastbeiträgen umgehen können, beweisen die Songs „Glitter Freeze“ und „Superfast Jellyfish“. Ersterer ist ein puristisches DFA-Rhythmusmonster, zu dem The Falls Mark E. Smith im Laufe des Songs nur ein paar Zeilen raunen muss, um den Song unverwechselbar großartig zu machen. In Letzterem rappen De La Soul über einen geschmeidigen Groove, während Gruff Rhys (Super Furry Animals) den Refrain singen darf. Wie es die Gorillaz geschafft haben, Lou Reed auf ihre kleine Insel zu locken, wird ihr Geheimnis bleiben. Doch das Resultat, „Some Kind Of Nature“, gehört mit zum Besten, was die Band in ihrer Karriere aufgenommen hat. Reed schnoddert sich bewährt monoton durch den Song und steht im Kontrast zu den fröhlich hüpfenden Synthieklängen. „On Melancholy Hill“ mit seinem weichgespülten Space-Sound und einer sprechenden Gitarre dürfte dem Electric Light Orchestra sehr gut gefallen. 

Damon Albarn ist mit „Plastic Beach“ ein Album gelungen, das noch vielseitiger als seine beiden Vorgänger die entlegensten Ecken der populären Musik auskundschaftet und das auch ohne die grafische Untermalung Jamie Hewletts bestens funktionieren würde. Mit dieser Komponente allerdings wird „Plastic Beach“ zu einem wahren Happening, einer Ode an den Eskapismus.

Video: „Stylo"

 

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