Interpret:
Gonjasufi
Plattentitel:
MU.ZZ.LE
Label:
Warp / Rough Trade
VÖ:
20.01.2012
Punkte:
8.0 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Köln, 18.01.2012
Es ist ein merkwürdig schizophrenes Universum, das Sumach Valentine alias Gonjasufi auf dem kryptisch betitelten „MU.ZZ.LE“ erschafft. Ein Album, das aufgrund seiner Spielzeit von 24 Minuten verniedlichend als Minialbum bezeichnet wird, dessen zehn kurze Songs jedoch genug Ideen für ein Doppel-, gar ein Dreifachalbum besitzen. Ein Album, für das Gonjasufi „on the road“ Ideen sammelte und diese dann in seinem Heimstudio in dunklen Stunden alleine und abgeschottet von der Außenwelt umsetzte.
Entstanden ist dabei ein Album, das mit seinem rückwärts gerichteten Agententhriller-Charme schwarz-weiße Erinnerungen an Portisheads zweites Album weckt, nur um diese dann in der folgenden Sekunde mit Lichtgeschwindigkeit ins rotleuchtende All zu katapultieren. Dabei geht es Gonjasufi auf „MU.ZZ.LE“ nicht um den Song als solches, sondern um ein zehnteiliges Klangkonstrukt, das aus verschiedenen Spuren und Gefühlslagen grobmaschig zusammengewoben wird. Da weht in „Nickels And Dimes“ ein waberndes Keyboard-Sample wie ein postatomarer Windstoß durch den Song, da schichtet Gonjasufi in „Timeout“ Schlagzeug- und dunkle Klavierparts so über- und ineinander, dass man sich an die Glanzstunden DJ Shadows Mitte der Neunziger erinnert fühlt.
Zusammengehalten wird „MU.ZZ.LE“ neben der schier überbordenden Kreativität Gonjasufis durch seine markante, hypnotische Stimme, die durch die teils trip-hoppigen Arrangements nur noch weiter an Anziehungskraft gewinnt. Sie ist der Fixpunkt auf der unruhigen See, dessen schäumende Wellenkronen aus zerhackten Beats und schmutzigen Synthies ein ums andere Mal krachend über den Hörer einbrechen, nur um diesen in der darauffolgenden Sekunde urplötzlich und ohne Vorwarnung zu einem Monstersong wie „The Blame“ loszulassen, so, als würden TV On The Radio, Massive Attack und SBTRKT in bester Power Rangers-Manier ihre Kräfte verbünden, um gegen den übermächtigen Feind namens „Konvention“ anzukämpfen. Am Ende ist der Gegner zwar besiegt, die Welt wie nach einem Fallout jedoch nicht mehr bewohnbar. Trotz allem möchte man sich hier, am Ende der Welt und mitten in der Mojave Wüste, niederlassen, um dieses große „Mini-Album“ in all seiner Pracht bestaunen zu können.