DETAILS

Interpret:
Glasvegas

Plattentitel:
dto.

Label:
Sony BMG

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 02.02.2009

PLATTENKISTE

Glasvegas - dto.

Glasvegas - dto.

Große Gesten und Gefühle in der Musik sind so alt wie die Musik selbst. Irgendetwas lässt sich immer finden, über das man sein Füllhorn an Emotionalität ausschütten könnte wie Regen aus dunklen verhangenen Wolken. Wenn man als Junge dann noch in Glasgow, neben Manchester das Sinnbild für ehrliche, einfache, körperliche Arbeit mit der gefühlt höchsten Regenquote im ganzen Königreich, aufwächst, bekommt man das Leidende, das Sehnsuchtsvolle quasi mit in die Wiege gelegt.

Wie ein Gewitter nachmittags um halb vier, so beginnt das selbstbetitelte Debütalbum der vier Schotten. Langsam grollend, weit aus der Ferne heranziehend, steigern sich die Gitarren in „Flowers & Football Tops“ zu einem unheilvollen Lamento, das die schlimmsten Befürchtungen des Erzählers bestätigt: „Police on my left and right / My son's not coming home tonight.“ Das Ganze ist eingehüllt in meterhohe und genauso dicke Gitarrenwände, aus dem Nichts auftauchenden Chören, so dass man sich zwangsläufig an die Großtaten Phil Spectors erinnert fühlt. Undurchdringlich ist das musikalische Gerüst, während Sänger James Allan glasklar immer wieder dieselbe Frage stellt: „Baby, why you?“ Das Gewitter ist nun genau über einem, es blitzt es donnert, bis es mit einer der berührendsten Interpretationen des alten Klassikers „You Are My Sunshine“ an einem vorüberzieht.

So geht das in einem fort, Große Gesten folgen der nächsten Großtat wie Regentage. Auf das zwar nicht tanzbare, aber trotzdem zum Indiehit avancierte „Geraldine“ folgt das noch weniger tanzbare, aber umso grandiosere „It's My Own Cheating Heart That Makes Me Cry“. Die Band muss neben den alten Spector-Platten vor allem „This Is My Truth, Tell Me Yours“ von den Manic Street Preachers auswendig gehört haben, denn sie beherrschen meisterhaft das Spiel der Emotionen, gehen bis an die Grenze des guten Geschmacks, ohne dabei in seichten Kitsch abzurutschen. „Stabbed“ ist zwar mit der bereits zu Tode genutzten „Mondscheinsonate“ Beethovens unterlegt, schafft es trotzdem mühelos, den Hörer in seinen Bann zu ziehen. So in etwa muss sich das Leben als junger Mensch in Glasgow zwischen all den unerfüllten Wünschen und Träumen anfühlen. Und wer von dieser Melancholie und stiller Hoffnung nach dem Hören des Albums noch nicht genug bekommen hat, der soll sich den fantastischen Film „Hallam Foe“ anschauen. In dem geht es, genau, um einen jungen auf der Suche nach dem Glück. Doch was er zunächst findet, sind viele Regentage. 


 

Freunde

 
 
 
 

Wir Präsentieren:

 
 
 
 

Prunkstücke