DETAILS

Interpret:
Girls

Plattentitel:
Album

Label:
Fantasytrashcan / Turnstile / PIAS / Rough Trade

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 07.12.2009

PLATTENKISTE

Girls - Album

Girls - Album

Wie man es auch dreht und wendet, es bleibt, wie es ist. Einige der besten Songs bzw. Texte werden vom Leben selbst geschrieben. Oder sind zumindest von diesem stark durchdrungen. Es sind jene Songs, deren Bedeutung sich förmlich aufdrängt, da sie sich in den Texten so ungeschönt und unkompliziert zu präsentieren scheinen. Solch direkten Songtexte, die die Dinge beim Namen nennen, können aber auch zu einem fiesen Genickbruch für eine Band werden. Gerade dann, wenn des Pops wohl liebstes Thema angesprochen wird: Girls - oder im umgekehrten Fall Boys. Mit anderen Worten: Beziehungen, Selbstfindung, Sehnsucht. Der Pathos hängt dann oftmals so bedrohlich über den Köpfen der Interpreten wie das alte Damoklesschwert.

Im Fall des Lo Fi-Surf-Pop-Duos Girls aus San Francisco und ihrem Debüt „Album“ nimmt man die Bedrohung aber nicht war. Mit so schmerzlich-träumenden Textpassagen wie „Oh Lauren Marie / I might never get my arms around you / But that doesn't mean I wont try / Oh Lauren Marie / You might never want me / But that doesn't mean you won't get me high“ („Lauren Marie“), besteht kein Zweifel daran, dass sie ins Schwarze treffen. Natürlich ist hier nicht alles autobiographisch zu verstehen, aber das Klischee der Inspirationsquelle Christopher Owens', dem charmant quäkigen Sänger, lag mit der Trennung von seiner Freundin offensichtlich direkt vor der Haustür. Von den anderen, teilweise sehr derben Phasen, vor allen denen im Children Of God Cult, in seinem Leben abgesehen. „Curls“ heißt hier nicht bloß ein Song, auch die Duo-Band, die er gemeinsam mit seiner Freundin hatte, trug jenen Namen.

Gemeinsam mit seinem Multinstrumentalisten und Produzenten JR White wurde unter dem so schmackhaften Namen Girls das über ganz viel Selbstschmerz verfügenden und nach Liebe suchende „Album“ aufgenommen. Zwölf Songs, die in guter Lo Fi-Manier nie zu viel des Guten wagen, schön schrabbelig daher rumpeln können, aber auch nicht vor poppigen Surf-Rock-Klängen zurückschrecken. Dazu muss man sich nur die Single und den Opener „Lust For Life“ anhören, um dieses Gefühl von jugendlicher Schwermut in sich wieder zu entdecken. Zusätzlich gepart mit zum Tanzen animierenden Rhythmen und luftigen Gitarren in einem Klangumfeld, das nicht nur des hohen Backing-Gesangs wegen schön auf alt getrimmt ist. Voller und im Vergleich vielleicht noch etwas mehr poppiger klingt da schon das sich die Versöhnung ertanzend-schmachtende „Laura“. Wiederum minimalistischer wird es mit dem anfänglich an die Dodos erinnernden „God Damned“.

Für mich hat „Album“ allerdings zwei Knackpunkte. Der eine ist das total nach klassischem Surf-Rock klingende „Big Bad Mean Motherfucker“, das zwar mit dem einsetzenden Soli cool ist, dass einem eine Brise Meeresluft um die Nase weht, aber dann doch irgendwo weder besonders gut noch spektakulär klingt. Des weiteren verpassen es Girls fast aus ihrem süßlich-trägen Klanggewandt zu entsteigen, denn mit „Lust For Life“ und einem ungestümeren „Morning Light“ liegen nur zwei animierendere Nummern vor.

„Album“ braucht ein bisschen Zeit oder vielleicht einfach nur den richtigen Moment, der irgendwo zwischen Einsicht, das die Beziehung vorbei ist oder es sich nicht lohnt eine neue einzugehen und dem tränenreichen Erschöpfungen an etwas nicht mehr zu Rettendes zu glauben, um das Lo-Fi-Surf-Pendant zu The Big Pink ins Herz zu schließen. Dann wird man aber ganz veträumt „Every time hear you sing I love, love, love you“ mitsingen („Headache“). Und auch wenn man keine „Summertime“ erleben wird, sind die Songs wie die wärmenden Worte Gleichgesinnter auf der Suche nach Halt oder der nächsten Betäubung. Zumindest für einige unter uns. „And I don't wanna cry my whole life through / I wanna do some laughing too / So come on, come on, come on and laugh with me“ („Hellhole Ratface“).

Video: „Lust For Life“


 

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