DETAILS

Interpret:
Ghost Of Tom Joad

Plattentitel:
Matterhorn

Label:
Richard Mohlmann Records / Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
7.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Matthias Dersch
Essen, 02.02.2009

PLATTENKISTE

Ghost Of Tom Joad - Matterhorn

Ghost Of Tom Joad - Matterhorn

Mit 4478 Metern Höhe ist das Matterhorn einer der höchsten Berge der Alpen. Ein ziemlicher Brocken aus Gestein also, den sich die Flachländer von Ghost Of Tom Joad da als Namensgeber für ihr zweites Album ausgesucht haben Auf den ersten Blick erscheint er exemplarisch für die hohe Hürde zu stehen, die gerade junge deutsche Bands nehmen müssen, um mit ihrem Schaffen anerkannt zu werden. Doch diese Interpretation irrt sich.

Weniger die Angst vor dem Scheitern, als der Drang etwas zu erschaffen beflügelte Sänger/Gitarrist Hendrik Roger, Bassist Jens Mehring und Schlagzeuger Christoph Schneider bei den Aufnahmen zu „Matterhorn“, ihrem zweiten Album innerhalb von nur zwölf Monaten. Im musikalischen Vergleich zu „No Sleep Until Ostkreuz“, dem energetischen, zwischen New Wave und Indierock angesiedelten Debüts des Trios, haben sich die Koordinaten nur dezent verschoben. Die Münsteraner haben neuerdings die Ruhe für sich entdeckt, setzten sie, wie im Opener „Through Every Organ“, geschickt ein, um Atmosphäre zu erzeugen. Doch natürlich ist der Sturm und Drang des gefeierten Debüts nicht völlig verloren gegangen.

Er wird nur strukturierter und pointierter eingesetzt. In nahezu jeder Sekunde ist die Entwicklung spürbar, die hinter der Band liegt. Wer traut sich sonst schon, schon beim zweiten Album auf ein Konzeptalbum zu setzen? Ghost Of Tom Joad trauen sich diese Anmaßung - und gewinnen. Wer „Into The Wild“ gelesen oder gesehen hat, spürt auch bei „Matterhorn“ die Atmosphäre, etwas dringend tun zu müssen. Auch wenn es für Außenstehende irrational und „verrückt“ wirken mag. Genau wie „Alexander Supertramp“ zieht es auch Roger, Mehring und Schneider in die Kälte. Mal suchen Sie in „The Body Of Lord Francis Douglas“ nach der verschollenen Leiche des berühmten Bergsteigers. Mal wandern sie zu „Kap Farvel“, dem südlichsten Punkt des eisigen Grönlands.

„Die Freiheit ist praktisch in jedem Ton und jeder Silbe spürbar“, schreibt Blackmails Ex-Sänger Aydo Abay über „Matterhorn“ - und man muss ihm völlig Recht geben. Das ist große Kunst, die ihren Weg gehen wird. Denn spätestens, wenn Roger in „Into The Wild“ vom Englischen kurz ins Deutsche wechselt, hat die Band den Hörer am Rockzipfel. Applaus dafür!


 

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