Interpret:
Ghinzu
Plattentitel:
Mirror Mirror
Label:
PIAS
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Tobias Wecker
Düsseldorf, 30.08.2010
Ghinzu gehören hierzulande zu den wohlbehüteten Indie-Geheimnissen. Kaum jemand bekam mit, wie der Band vor inzwischen schon sechs Jahren mit ihrem zweiten Album „Blow“ ein echter Volltreffer gelang. Zum Glück ist das nicht nur in ihrer belgischen Heimat anders, sondern auch in Frankreich, wo der überragende Song „The Dragster-Wave“ für den Film „96 Hours“ verwendet wurde.
Das Drittwerk kommt in Deutschland mit einem Jahr Verspätung in die Plattenläden, was so einiges über den Status hierzulande aussagt. Und, das sei schon einmal gesagt, an der Qualität kann das nun wirklich nicht liegen. Man höre sich nur den Titeltrack an, der ruhig beginnt, sich zu einem explosiven Instrumental- und Elektroinferno aufbaut, ehe der Gesang einsetzt und den Song ein wenig bändigt. Die Single „Take It Easy“ ist das eingängigste was man von der Band bisher kennt und strotzt nur so vor Coolness und Sexyness.
Wie schon beim Vorgänger zeigt sich die Band sehr experimentierfreudig und unberechenbar. Das zeigen schon die Einflüsse, die man heraushören kann: Muse, The Cooper Temple Clause, The Strokes und, was bei einer belgischen Band natürlich nicht fehlen darf, die frühen dEUS – um nur einige zu nennen. Was Ghinzu von vielen anderen Bands unterscheidet, die sich ähnlich vielseitiger Referenzen bedienen: Hier passt das alles auf so unwahrscheinliche Art zusammen, kaum etwas wirkt überkonstruiert oder -laden.
Das einzige, was die Band im Vergleich zum letzten Album ein wenig zurückgeschraubt hat, sind die totalen Durchgeknalltheiten. Es gibt kein Pferdegewieher oder dergleichen mehr, Lärmattacken tauchen zwar nach wie vor auf, wirken aber etwas kontrollierter. Trotz der geringfügigen Reduzierung der Extreme ist Ghinzu auch mit „Mirror Mirror“ wieder ein wahnsinniges, inspirierendes, sexy und humorvolles Album gelungen. Vielleicht werden das ja auch in Deutschland dieses Mal einige Leute mehr mitbekommen.
Video: „Take It Easy"