Interpret:
Fucked Up
Plattentitel:
The Chemistry Of Common Life
Label:
Matador / Beggars / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Köln, 03.11.2008
Oh ja, Fucked Up sind wirklich kaputt. Ein Flötensolo im Opener „Son Of The Father“ lockt einen zu Beginn gleich auf die ganz falsche Fährte: Es handelt sich nicht um meditativen, esoterischen Folk, sondern um ganz gemeinen, dich wild anfallenden Hardcore-Psychpunk, der zum ersten mal nach anderthalb Minuten seine wild gefletschten Zähne zeigt, um danach nicht mehr von seiner Beute loszulassen, die noch kopflos versucht, zu flüchten.
Doch „The Chemistry Of Common Life“ wäre kaum der Rede Wert, wäre neben den Lyrics, die von „Sänger“ Pink Eyes rausgespien werden wie ätzendes Gift, nicht noch die musikalische Untermalung, die durch ihre ungemeine Vielseitigkeit und Kreativität die Band aus Toronto aus der breiten Masse der schrammelnden Gitarrenbands hervorhebt. Da schwebt in „Days Of Last“ plötzlich über all dem harten Geprügel eine einsame Trompete, die sich wie Hustensaft über den entzündeten Rachenraum legt.
Die Effektpedale der Gitarren sind durchgängig bis zum Anschlag gedrückt, was zu undurchdringlichen Gitarrenwänden wie in „Crooked Head“ führt. Doch ab und zu legt sich der Nebel der Gitarren und es wird sogar der Blick frei auf ein herrlich altmodisches Gitarrensolo, das sich bis dahin gut versteckt im Hintergrund hielt. Alles in allem geht es auf „The Chemistry Of Common Life“ trotz all der Wut des Sängers recht psychedelisch zu. Gerade dieser Kontrast aus Härte und Melodie macht das Album zu einem spannenden Erlebnis. Fucked Up klingen wie die Dandy Warhols, wenn deren Sänger an Rachenkatarrh leiden und plötzlich nur noch Trail Of Dead hören würde. Und das ist wirklich ein kaputter Vergleich.