Interpret:
Frittenbude
Plattentitel:
Nachtigall
Label:
Audiolith / Broken Silence
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
6.0 von 10
Autor:
Renate Bichert
Remscheid, 10.11.2008
Sex, Drugs und Electropunk! Frittenbude feiern mit ihrem ersten eigenen Album „Nachtigall“ die Selbstzerstörung und Anarchie des Nachtlebens und heben sich damit endlich aus dem Schatten ihrer eigenen Remixe (u.a. „Graceland“ von Kettcar und „Kommunizieren“ von Plemo und Rampue)
„Für mich solls' heute Acid regnen. Mir sollen sämtliche Wunder begegnen. Die Welt sollte sich bunter gestalten und ihre Farbe nicht für sich behalten“ - Schon mit dem ersten Track „Hildegard“ machen Frittenbude klar, mit wem man es hier zu tun hat: einer politisch unkorrekten, hedonistischen Electroband. Es ist nicht der einzige Song, der offensichtlich unter dem Einfluss harter Drogen entstanden sein muss - man höre nur den „Superschnitzellovesong“. Mit „Pandabär“ haben Frittenbude quasi ein musikalisches Maskottchen erschaffen, dass auch in den folgenden Songs immer wieder auftaucht.
Doch die ganze Drogengeschichte ist nur ein Teil des Masterplans die Schlafliedtradition der deutschen Musik zu brechen. In „Mindestens In 1000 Jahren“ machen sie klar, dass sie auch zum Kunstwerk werden, ohne sich an die Langweiler der Musikbranche anzubiedern. Sie wagen die Flucht nach Vorne und bestimmen selbst was sie wollen, statt sich dem zu beugen, was von ihnen verlangt wird: „Du willst ein stück von dem Kuchen, dann fick dich, wir such ein Label mit Knebelvertrag, dass uns in Verruf bringt.“
Die Idee ist gut, doch an der Umsetzung muss noch ein wenig gefeilt werden. Denn „Nachtigall“ ist immer noch eine von vielen Elektropunk-Platten, der sofort die Assoziation mit Deichkind verlangt. Es unterstützt nicht gerade das Rebellenimage, wenn man klingt, wie jemand anders. Etwas mehr Kreativität und Individualität hätte der Authentizität der Musik gut getan.