DETAILS

Interpret:
Friendly Fires

Plattentitel:
dto.

Label:
XL / Beggars / Indigo

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
9.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Köln, 22.09.2008

PLATTENKISTE

Friendly Fires - dto.

Friendly Fires - dto.

Dieser Bass. Eingängig und groovy. Dazu dieser sexy Funk-Beat, der sich engumschlungen an der Basslinie entlangschlängelt. Mehr braucht es theoretisch nicht, um einen Discoknaller zu schreiben, der in einer gerechten Welt die Menschen von Sao Paulo bis New York zum Tanzen und Ausflippen bringt.

Diese These beweisen Friendly Fires, ohne am Ende Fragen offen zu lassen. Exakt 3:52 brauchen The Friendly Fires auf ihrem neuen Album um das Haus, welches man Indie-Disco nennt, niederzubrennen. Dazu gibt es als Gratis-Zugabe eine windschiefe Gitarre, als hätten The Rapture die Gitarren ihrer Kollegen gestimmt. Der Song, der diese Glücksgefühle auslöst, heißt „In The Hospital“. Mitreißend ist das, atemberaubend fragil in seiner Naivität und vor allem tanzbar.

Doch wäre das Album nicht der Rede wert, wenn der Rest des Albums in dumpfe Plagiats-Plattitüden abdriften würde. Tut es zum Glück aber nicht, dafür ist der Elektronik-meets-Indierock-Mix der drei Londoner zu schlau. Benannt haben sie sich nach einem Song von Section 25, einer Band des verblichenen Factory Labels. Und so gleitet das Album musikalisch nahtlos zwischen den Polen Factory und DFA hin und her, ohne sich dabei endgültig zu positionieren.

„Paris“ knausert nicht mit Referenzen an die gute alte Ravezeit Ende der Achtziger. Ein nervöser Beat gesellt sich zu ausladenden Keyboardtupfern, die in ihrer Gänze den perfekten Abend einläuten. „Lovesick“ hingegen ist neue New Yorker Disco-Schule, komplett mit kurzem Kuhglockeneinsatz. Vor dem inneren Auge sieht man die Band chaotisch über die Bühne torkeln, sich hoffnungslos in Gitarrenkabel verwickelnd, während das enthusiastische Publikum versucht, die Bühne zu entern.

Natürlich ist das Prinzip, Disco in die Indieclubs zu lotsen, nicht neu, aber mit welcher Wucht, mit welcher Frische das Debütalbum daherkommt, mit welcher rotzfrechen Selbstverständlichkeit sie ihre zehn süchtigmachenden Melodien als DIE einzige Wahrheit an den Mann bringen, das ist imponierend. „Schreibt keinen Mist“ wird Ed Macfarlane, der Sänger, in der Presseinfo zitiert. Würde uns gar nicht einfallen, also: „Friendly Fires“ ist die bislang beste Electroclash-Disco-Platte des Jahres. Ohne Mist.


 

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