DETAILS

Interpret:
Friedemann Weise

Plattentitel:
dto.

Label:
Day-Glo Records / PIAS

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
6.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 01.12.2008

PLATTENKISTE

Friedemann Weise - dto.

Friedemann Weise - dto.

An Friedemann Weise scheiden sich die Geister. Manch einen bringen die Texte des Kölners um den Verstand und reißen zu wortreichen Flüchen hin, andere entflammen angesichts einer sarkastisch-begeisternden Bühnenpräsenz. Den Maestro selbst erinnert seine Kunst an „Jack Johnson auf Hartz 4“, doch man kann viel schlichter die frühen Sterne und den schmollenden, verpickelten Witz von Heinz Strunk als heimische Wegweiser aufstellen. Dazu gibt es Melodien zwischen frühem Britpop der Sorte Modern Lovers, oder schrammelige Indie-Songs Marke Lemonheads und Violent Femmes. Das alles wurde hübsch altmodisch eingespielt und ohne viel Schnick Schnack als handfeste Songwriterplatte produziert.

Im Opener „Friedman Wiese“ bringt es der Künstler noch einmal auf den Punkt. Er mache einfach „deutschsprachigen textbetonten Rock 'n' Roll“ und verstehe „zum Glück keinen Spaß“. Nein, Comedy ist anders, dieser Mensch hat Anliegen und Geschichten zu erzählen, auch wenn er sie manches Mal auf arg holprigem Wege kommuniziert. Stücke wie „Hollywood“ oder das sanfte „T-Shirt und Jeans“ sind schicke Indie-Pop-Nummern, denen man allerdings ihre Naivität nicht immer abkaufen mag. Auch „Rettete“ und „Fenster“ nehmen einen durch unmittelbare Sprache und schnörkelloses Musizieren schnell mit in den Alltag so manchen Mittzwanzigers.

So richtig ärgerlich auf der Platte sind eigentlich nur das flache „Geldautomat“, bei dem man gerne mal „Stoppock“ rufen kann und „Augen“, dessen Reime doch arg gebückt daherkommen. Zeilen wie „Ich war alleine da, weil ich alleine war“, kennt man eher von Kitschbarden wie Wolke, mit denen Herr Weise allerdings wohl auch bekannt zu sein scheint.

„Du sagst du erkennst keinen Sinn/ das finde ich gar nicht so schlimm/ Sokrates wusste auch nicht viel mehr/ und war am Schluss auch kein Millionär“. Recht hat er, der Friedemann. Man muss ja auch nicht gleich Quantenphysik studieren, um eine Mikrowelle bedienen zu können. Nicht nur schlichte Gemüter können daher Gefallen an diesem sympathischen Dilettanten finden.

 

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