Interpret:
Franz Ferdinand
Plattentitel:
Tonight: Franz Ferdinand
Label:
Domino / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.5 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 19.01.2009
Drei Jahre sind im Kosmos „Indie“ eine verdammt lange Zeit. Wer erinnert sich heute beispielsweise noch an Songs der zur damaligen Zeit so hochgelobten Bands wie die Long Blondes, The Rifles oder The Dead 60's? Zugegeben, es ist unfair, diese Bands im Kontext mit der Veröffentlichung des dritten Albums von Franz Ferdinand zu nennen. Zu gut und memorabel waren die Songs des selbstbetitelten Debüts 2004, als dass man sie auch nach nur einmaligem Hören je wieder aus seinem Gehörgang kriegen könnte (oder wollte). Dass „You Could Do It So Much Better“ im darauf folgenden Jahr weitestgehend ein Schnellschuss war - geschenkt. Denn selbst diese Songs dienten immer noch als Blaupause dessen, was viele heute unter dem Begriff „Indie“ verstehen.
Nun also „Tonight: Franz Ferdinand“, ein Album, auf das man zwar nicht ungeduldig gewartet hat, von dem man nun, wo es da ist, aber einiges erwartet. Wie bei einem guten Freund, der plötzlich über Nacht das Land verlässt, von dem man drei Jahre kein Lebenszeichen bekommt, den man langsam vergisst und der dann urplötzlich an der Haustür klopft. Komm doch herein, erzähl, was ist denn so passiert in den letzten Jahren?
Zunächst einmal ist „Tonight: Franz Ferdinand“, allen Vorankündigungen zum Trotz, ein typisches Franz-Ferdinand-Album geworden. Ohne Probleme würde man jeden Song im Club seiner Wahl wieder erkennen, obwohl hier und da einige elektronische Tupfer für ungewohnte Nuancen sorgen. So beginnt die Single „Ulysses“ zwar mit einem hypnotischen Dub-Beat, der in eine dreckige Analog-Synthie-Orgie mündet, doch bereits der Refrain ist dann wieder reinste Franz-Ferdinand-Nostalgie, die einen zum Tanzen animiert. Mit „Turn It On“ folgt ein Song, der alle Zweifel vom Tisch fegt: Dieses maschinelle Stakkato, das den Song durchzuckt wie ein Gewitter und dafür sorgt, dass man nicht mehr ruhig bleiben kann. Arme, Beine, alles zuckt rhythmisch im Takt, ob man will oder nicht, man muss mit.
So geht das in einem fort: das Abba-eske „Twilight Omens“, das abermals mit einem dreckigen Synthie ausgestattete „Can't Stop Feeling“, die verqueere Stimmung im besinnlichen „Dream Again“. Alles Manifeste der wiedererlangten Vormachtstellung. Und mit „Lucid Dreams“ schießen Alex Kapranos und seine Männer den Vogel endgültig ab. Dieser Song ist ein Ausloten der derzeitigen Möglichkeiten einer Band, die in dieser Verfassung keine Grenzen zu kennen scheint. Was als typischer Franz-Ferdinand-Song beginnt, verliert sich mit zunehmender Dauer in psychedelischen Tiefen. Wenn man dann nach viereinhalb Minuten bereits damit rechnet, dass der Song nun langsam ausklingt, dann hat man sich getäuscht, denn ab geht es wieder auf die elektronische Achterbahn, mit ungewohnt heftiger Intensität, die an Autechre und andere Elektronikpioniere der 90er Jahre erinnert.
Wenn Franz Ferdinand einen nach knapp über 40 Minuten und einer handvoll guter Geschichten wieder verlassen, hat man das Gefühl, dass aus einem flüchtigen Bekannten wieder ein guter Freund geworden ist. Es geht ihm besser denn je und selbst wenn man nun weitere drei Jahre nichts mehr von ihm hören sollte: Man hat immer noch die Geschichten.