DETAILS

Interpret:
Foals

Plattentitel:
Total Life Forever

Label:
Warner

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 24.05.2010

PLATTENKISTE

Foals - Total Life Forever

Foals - Total Life Forever

Es ist einer der ältesten Menschheitsträume, älter noch als der vom Fliegen: Der Traum vom ewigen Leben. Unsterblichkeit. „Total Life Forever“ also. Eine Utopie, die durch Zukunftsvisionen von Wissenschaftlern wie Ray Kurzweil gar nicht mehr so fern erscheint. Die biologische, empfindliche Hülle des Menschen wird demnach über kurz oder lang durch hergestellte, austauschbare Bauteile ersetzt. Das Bewusstsein und die Gedanken jedes Einzelnen werden durch winzigste Nano-Technologie speicherbar und übertragbar, sowie sie Software eines Computers. 2045 sei es so weit, wenn man Kurzweil und seinen Thesen glauben mag. Die Unendlichkeit scheint plötzlich so nah.

Auf eben jenen Kurzweil und seine Thesen bezieht sich der Albumtitel des zweiten Foals-Album, was auf den ersten Blick verwundert. War doch das Debütalbum „Antidotes“ vor zwei Jahren ein wild pluckerndes und zuckendes Biest, das dem Moment als größtmöglich denkbare Zeiteinheit ein würdiges Denkmal setzte. So klebt auch nach über zwei Jahren noch der frische Schweiß durchtanzter Nächte an Songs wie „Cassius“ oder „Mathletics“. Von ausgedehnten Zeitspannen, gar Unendlichkeit, war auf dem Debüt noch keine Spur.

Von dieser Warte aus betrachtet unterscheidet sich „Total Life Forever“ komplett von seinem Vorgänger. Die ersten, sachten Takte und die langgezogenen Vocals des Openers „Blue Blood“ erinnern dann doch eher an seligen Americana-Weihrauch, den man so eher von den Fleet Foxes erwartet hätte. Auch die wohlbekannten stakkato-haften, hochgepitchten Gitarren ändern nichts an dem Eindruck, dass es hier gemächlicher, gediegener zugeht. Getanzt wird zwar noch immer, doch gönnt man sich ab und an eine Auszeit in der Lounge.

Zeichnete sich „Antidotes“ noch durch seine jugendliche Unbedarftheit aus, so ist „Total Life Forever“ ohne Zweifel das reifere Werk geworden,  das durch seine beeindruckende Bandbreite das Debüt sogar noch in den Schatten stellt. Da liefern sich The Cure und Modest Mouse im schrägen „Miami“ an Bord eines alten Kutters eine Tortenschlacht auf hoher See. Dort begeistert das Quintett in „Black Gold“ mit ausgefeilter, polyrhythmischer Perkussion, über die sich sphärisch eine Gitarrenwand legt.

Herzstück des Albums ist jedoch das knapp siebenminütige „Spanish Sahara“, das als introvertierte Skizze anfängt, um sich im Laufe des Songs zum breitwandigen, mehrschichtigen Epos zu verwandeln. Momente vollkommener Glückseligkeit, die durch Songs wie dem repetitiven „Alabaster“ noch verstärkt werden. 

Foals ist mit „Total Life Forever“ ein weiterer großer Wurf gelungen, der ihnen so wohl nur von den Wenigsten zugetraut wurde.  Ob es auch ein Album für die Ewigkeit ist, das wird sich noch zeigen. Wenn es aber nach Kurzweil geht, dann wissen wir spätestens 2045 mehr.

Video: „Spanish Sahara“


 

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