Interpret:
Fleet Foxes
Plattentitel:
dto.
Label:
Bella Union / Cooperative Music / Universal
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
9.0 von 10
Autor:
Michael Weber
Köln, 14.08.2008
Die Füchse heulen wieder in die Nacht hinein. Auch wenn ich nicht sagen kann, dass Füchse heulen oder ähnliches können, kann ich jedoch behaupten, dass man bei den „Fleet Foxes“ aus Seattle in jedem Fall eine Ausnahme machen muss, wenn ihnen dieses Verhalten nicht eigen sein sollte. Auf ihrer vor gut zwei Monaten erschienen „Sun Giant EP“ haben sie mit choralem Gesang und einer gehörigen Portion 60er Jahre Folk-Rock-Charme gepaart mit Barock-Rock ihren ganz eigenen Stil kreiert. Es blieb jedoch zu klären, ob es den vier Mitgliedern denn auch gelingen würde, diesen auf den ersten Blick eigenwilligen und auf den zweiten irgendwie angestaubten Stil für ein ganzes Album schmackhaft zu halten.
Wie bereits angekündigt, werden sich die Fleet Foxes auf ihrem selbstbetitelten Album-Debut zwar nicht mit Songs wiederholen, dafür aber mit Sounds. Sie machen dort weiter, wo sie mit ihrer EP aufhörten und produzierten gemeinsam mit Phil Ek, der auch schon The Shins und Band Of Horses produzierte, elf irgendwo in den tiefsten Wäldern der Welt wandernde Alternative-Folk-Songs. Musik, die einen mit ihrem schallend choralen Gesang anlockt und für einen kurzen Moment bei hippiesker Lagerfeuer-Romantik zum Zuhören und leisen Mitsummen verleitet.
So wird zum Beispiel beim „Tiger Mountain Pessant Song“ nur die Gitarre sachte zu Robin Pecknolds eindringlich klarem Gesang angezupft. Alles ist von einem sanften Hall erfüllt, der sich schleichend im Hintergrund ausbreitet. Und mit der Schlusspassage „Jesse / I don´t know what I have done / I´m turning myself to a demon“ tritt dieses barocke Gefühl hervor, um auch gleich wieder zu verschwinden. Eine ganz ähnliche Stimmung erzeugen sie auf „Fleet Foxes“ noch bei „Heard Them Stirring“, „Meadowlark“ und „Oliver James“, wobei der Barock nicht immer präsent sein muss, wohl aber das strahlend Choralhafte mit oder ohne Crescendo.
Eine Eigenschaft, die man aber auch in ihren Alternative-Folk-Rock-Nummern in Zwischenteilen, Refrains oder auf gesamter Länge immer wieder hören wird. Nur dass dort alles viel bestimmter und fülliger wirkt durch die hell erstrahlenden Instrumente. Die Fleet Foxes leiten selbst dieses Leuchten mit „Red Squirrel / Sun Rises“ und der Textzeile „The sun rises, over my head“ ein, bevor sich ihr Gesang komplett erhebt und von einem treibend tänzelnden Gitarren-Riff abgelöst wird. In ihrer Single drehen sie dann nicht nur im Video (siehe unten) am Rad der Zeit, sie befördern auch sich mit ihrem mehrstimmigen Gesang und den reitenden Gitarren zum paukenhaften Schlagzeug weit in klanglich alte Zeiten. Und mit dem folgenden „Ragged Wood“, was auch der längste Titel auf „Fleet Foxes“ ist, durchfegen sie zunächst mit einem swingenden Tempo und vollem Anschlag das Land, um zum Ende mit schleppenden Rhythmen und lockerem Picking zur Ruhe kommen.
„Quiet Houses“ stampft sich luftig nach vorne und setzt auf schrägere Einlagen, die unterschwellig an Psychedelic erinnern. „He Doesn´t Know Why“ hingegen schwebt losgelöst im Chor davon und wird durch das Klavier vorsichtig weiter angetrieben. Und mit „Your Protector“ und „Blue Ridge Mountains“ vertonen sie wieder dieses miteifernde swingende Hochgefühl, das einem bereits bei „Ragged Wood“ dargeboten wurde. Auch wenn es sich um fast dasselbe emotionale Bild handelt, sind es doch mit ihren Eigenheiten wie langsam anschwellenden Steigerungen sowie völlig anderen Melodien und Rhythmen unverwechselbare Songs, die sich mit einem leisen Läuten von der Mandoline im Ohr festsetzen können.
Man liest also, dass es die Fleet Foxes geschafft haben, ihre choralen Eigenheiten in der Post-Moderne auf ein Album zu bannen, dass in diesem Jahr begeistern wird. Man kann mit ihnen auf den Ohren in eine fruchtbare musikalische Zukunft schauen, die in dieser Form aus fast vergessenen Samen der 60er Jahre herangezüchtet wurde. Dabei zeichnet sie besonders aus, dass es ihnen glückt, trotz ihrer rhythmischen und harmonischen Vielfalt dem Hörer einen unglaublich direkten Zugang zu ihrer Musik zu verschaffen. Ansonsten genügt immer ein Blick auf die wundervoll gestalteten Cover.
Video: White Winter Hymnal