DETAILS

Interpret:
Fink

Plattentitel:
Sort Of Revolution

Label:
Ninja Tune / Rough Trade

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
7.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 02.06.2009

PLATTENKISTE

Fink - Sort Of Revolution

Fink - Sort Of Revolution

So manchem kommt das bekannt vor: Man trifft sich zum ersten Mal mit dem/der Angebeteten privat, in den eigenen vier Wänden. Alles klar soweit, doch welche Musik wird im Hintergrund laufen? Hier die Empfehlung: Ein bisschen „Sort Of Revolution“ und der Abend ist so gut wie im Sack. Jetzt muss ich allerdings zusehen, dass ich Finian Greenall die restliche Rezension über aus dem fadenscheinigen Licht eines geschmacklosen Charmeurs herausziehe, in das ich ihn damit vielleicht geworfen habe. In Finks-Fall dürfte das allerdings ein leichteres Unterfangen sein, denn exorbitante Schmierigkeiten sind bei Fink seit Beginn an keinerlei Allüren. So auch nicht auf seinem dritten Album, das auf Ninja Tune erschienen ist. 

Alleine Finks musikalische Biographie spricht Bände dafür, dass er als einstiger Trip-Hop- und Breakbeat-Produzent und jetzt als ganz eigenwilliger Elektronik-Singer/Songwriter erst gar nicht in die Versuchung geraten kann, sich zu weit mit Gefühlsduseleien aus dem Fenster zu lehnen. Zumindest nicht in der Theorie. Dass aber Fink mit seiner charmanten Stimme, die immer ein bisschen Blues versprüht, dem lässigen Strumming und den minimalistischen Elektronik-Einlagen die zehn Tracks auf „Sort Of Revolution“ gegen die Wand fährt, ist doch sehr unwahrscheinlich. Theoretisch und praktisch macht Fink und macht man mit Fink nichts falsch. Die Krux liegt woanders begraben, aber dazu gleich mehr. 

Bereits die gleichnamige Eröffnungsnummer lässt auf weitere Qualitäten dieser Art hoffen. Fink braucht dabei überhaupt nicht viel um seinen fein abgestimmten Songs elektronische Vitalität und organisches Feingefühl einzuhauchen. Die sanft durchlaufende Bass-Drum, die nonchalanten Gitarren-Slides, der satte Basslauf, Finks eingängige Stimme, schmeichelnde Background-Gesänge und weiter Elemente, die sich ganz unaufdringlich mehren, verdichten und den Song über sechs Minuten hinweg auf einer ganz entspannten Ebene halten. In „See It All“ lässt Fink die Perkussionen mit diesem erneut kräftigen Bass und dem wie ein Silberstreif am Horizont auftauchenden Klavier den Song tragen. Aber auch hier ist das elegante Verdichten mit und ohne elektronische Feinheiten, um die Musik konstant zu halten, das Stil bildende Element auf Finks „Sort Of Revolution“. 

Nicht nur musikalisch ist „Sort Of Revolution“ ein elegantes, wenn nicht sogar sexy Album geworden, auch textlich treibt es Fink niemals zu weit. Wenn er selbstbewusst und unbefangen „I’m a maker, baby“ singt, wird man ihm dies auch ohne Hinterfragungen abkaufen („Maker“). Textzeilen wie „Give me two hands I can hold / I tell you things I never told / If you move on me / If you move on me“ verankern ihn nur noch mehr als höflichen Musiker in unseren Ohren („Move On Me”). 

Was die besagte Krux angeht, muss ich sagen, dass sie meiner Meinung nach in der Unaufdringlichkeit von „Sort Of Revolution“ zu finden ist. Es ist trotz aller Eleganz wie sich die Instrumente drehen und winden ein so Entspanntes Album geworden, das man sich entweder bei gedimmten Licht zurückgelehnt anhören oder mit gänzlich anderen Dingen beschäftigt sein wird. Stellenweise ist „Sort Of Revolution“ sogar so Unauffällig, dass man droht zu verpassen, wie Fink im souligen Acapella-Hybriden (ein Widerspruch, ich weiß) „Q & A“ durch den Raum schwebt. Ihr werdet mir jetzt also zustimmen, wenn ich sage, dass dieses Album auch getrost in die Kategorie „Heb‘ ich mir für zukünftige Bekanntschaften auf“ eingeordnet werden kann -wenn man es denn so will. Ansonsten ist ganz viel Träumen angesagt, was wohl wäre, „If I Had A Million“.


 

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