DETAILS

Interpret:
Fettes Brot

Plattentitel:
„Fettes“ und „Brot“

Label:
Fettes Brot Schallplatten / Indigo

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
7.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 08.03.2010

PLATTENKISTE

Fettes Brot - „Fettes“ und „Brot“

Fettes Brot - „Fettes“ und „Brot“

Schon Wochen vor der Veröffentlichung prangten in den großen deutschen Musikmagazinen ganzseitige Anzeigen, in denen neben kryptischen Statements von offensichtlich bekannten Persönlichkeiten (Thees U., George C. etc) nur ein Veröffentlichungstermin sowie zwei unbeschriftete Albencover abgebildet waren. Man rätselte, wem wohl diese Anzeige gehörte, rätselte weiter, bis die Antwort eines Tages dann endlich im Briefkasten lag: Ein Fettes-Brot-Live-Doppelalbum mit Mitschnitten aus Konzerten der vergangenen beiden Jahre, die erste Live-Veröffentlichung der Band überhaupt.

Blau und Orange, „Fettes“ und „Brot“, die beiden einzeln erhältlichen CDs spielen mit Komplementärfarben und Gegensätzen, doch so scharf lassen sich die CDs nicht voneinander abgrenzen: Hier wie dort gibt es die großen Hits („Jein“, „Schwule Mädchen“ auf „Fettes“, „The Grosser“, „Emanuela“ dann auf „Brot“) und auch das aktuellste Album „Strom Und Drang“ ist prominent vertreten und wird durch allerhand B-Seiten dieser Phase aufgewertet. Allein die schiere Fülle von insgesamt 31 Songs macht deutlich, dass hier nicht nur die Best-Of-Revue abgezogen wird, sondern dass die drei Hamburger sehr wohl ein Konzept verfolgen. Mit einer achtköpfigen Backing Band wurden die Songs an den verschiedensten Orten Deutschlands (beim Haldern, dem Hurricane und auf unzähligen eigenen Konzerten) aufgenommen und zu einem schlüssigen Gesamtpaket zusammengemischt.

Eine HipHop-Band, die auf gewöhnliches Rock-Instrumentarium samt Bläsern zurückgreift und ihre Songs somit in ein ungewöhnliches Gewand steckt, das ist an und für sich nicht sonderlich innovativ und in den meisten Fällen ist das Ergebnis auch nicht der Rede wert. Doch es braucht nicht mal eine Minute bis man weiß, dass „Fettes“ und „Brot“ eine Ausnahme dieser Regel sind. „Jein“, in seiner Ursprungsversion bereits mit südländischen Trompeten ausgestattet, kann sich so zu voller Pracht entfalten und auch den ruhigeren Liedern um „An Tagen Wie Diesen“ und „Hörst Du Mich“ tut dieser authentischere Band-Sound gut. Und nur in dieser Umgebung macht eine Hommage an Rio Reiser („Ich Bin Müde“) wirklich Sinn und auch gleichzeitig Spaß.

So gut die Songs auf „Fettes“ & „Brot“ auch sind, die wahre Stärke der Brote liegt in ihrer Fähigkeit, mit dem Publikum zu spielen, es bei „Bettina Superpunk“ (der Song mit den Brüsten) in Ekstase zu rocken, nur um dann in „Ich Lass Dich Nicht Los“ nachdenklich das Leben eines Stalkers nachzuzeichnen. Der Sound auf den beiden Alben ist dermaßen knackig und sauber abgemischt, doch geht das Ganze nicht auf Kosten der Live-Atmosphäre. Selbst die Brüche, die zwischen einigen Songs zwangsläufig entstehen, wenn nach einem Song aus Magdeburg plötzlich Rostock zum Feiern aufgefordert wird, wirken wie gewollt gesetzte Jungsstreiche. Auch die albernen, gut gelaunten Ansagen zwischen den Songs machen deutlich, dass Fettes Brot trotz all des konzeptuellen Anspruchs, trotz erster Anzeichen des Erwachsenwerdens, im Endeffekt nur eines wollen und dieses auch mit Leichtigkeit schaffen: ihr Publikum gut zu unterhalten.

Video: „Kontrolle“

 

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