Interpret:
Eugene McGuinness
Plattentitel:
dto.
Label:
Domino / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.0 von 10
Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 27.10.2008
Nach der Schule näherte man sich, mit seinem Playstationcontroller in der Hand, dem Ende des Tages. So wie damals bei Eugene McGuinness sieht womöglich der Nachmittag vieler pubertierender Jungs in England aus. Zwischen den Levels probierte sich Eugene jedoch an der Gitarre und fand nach anfänglichen Schwierigkeiten Spaß an der Musik.
Als vor einem Jahr die Debüt-EP des damals 21-jährigen Eugene McGuiness erschien, verglich die britische Presse ihn mit Rufus Wainwright. Man wusste also, dass dieser Kerl einer der Ausnahmen im Kollegium der Singer/Songwriter bilden würde. Das Album ist schwer zu fassen. Alle Songs haben ihren eigenen Charakter und lassen sich nur mit Mühe auf einen gemeinsamen Nenner bringen. McGuinness' Gratwanderung zwischen poppigen Skiffle-Beats und melancholischen Balladen untermalt seine gespaltene Herkunft, die sich von London und Liverpool bis Irland erstreckt. In Schubladen sieht sich Eugene McGuiness nun mal gar nicht gerne.
Songs wie „Not So Academic“ oder „Wendy Wonders“ erscheinen, als wären sie aus dem Jack Rabbit Slim's Lokal im Film Pulp Fiction. Worin einst Uma Thurman und John Travolta barfuß den Twist-Contest gewannen. Andere Songs sind wiederum Indie-Dance-Floor tauglich, wie das von Post-Punk beeinflusste „Fonz“ oder das Lieblingslied-ähnliche „Moscow State Circus“. Humorvolle, romantische Texte, die größtenteils erfundene Geschichten wiedergeben, bestätigen die hoch gesteckten Vergleiche und beweisen das Talent als Songwriter.
Die Art wie McGuinness singt wechselt, wie die Stilrichtungen die er verwendet. Dabei beeindruckt er mit einer zielstrebigen Intonationssicherheit. Alles in allem sollte sich die selbst-betitelte Platte im Singer/Songwriter- und Folk-Herzen eines unbeständigen Musikinteressierten wohl fühlen dürfen.