Interpret:
Erykah Badu
Plattentitel:
New Amerykah Part Two: Return Of The Ankh
Label:
Motown / Universal
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.5 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Köln, 19.04.2010
In den letzten Wochen wurde mehr über Erykah Badus anstößiges Musikvideo zu ihrer Single „Window Seat“ geschrieben als zu ihrem neuen Album „Amerykah Part Two: Return Of The Ankh“. Nicht sonderlich überraschend, wenn man bedenkt, dass sich Badu in besagtem Video frei nach Matt & Kim auf öffentlicher Straße Stück für Stück ihrer Kleidung entledigt. Dass sich das Ganze in Anspielung an John F. Kennedy auf der Route seiner Ermordung abspielt, scheint die prüden Amerikaner dabei weniger zu stören als die nackten Tatsachen.
An und für sich hätte Badu diese abseitige Publicity gar nicht nötig, denn ihr neues Album besticht durch einen gelungenen Mix aus Soul und oldschooligem R&B, der an gute alte Stax-Produktionen aus den Siebzigern erinnert. Überall knarzt und knackt es wie auf einer viel gehörten Lieblingsplatte, was „Return Of The Ankh“ zu einer sehr warmen, intimen Angelegenheit macht. Folgerichtig handeln Badus Texte im Gegensatz zum letztjährigen „Amerykah Part One: 4th World War“ vom persönlichen Empfinden: „There are only two emotions that human kind experiences: fear and love“ erklärt uns eine Computerstimme zu Beginn von „Love“. Zwischen diesen beiden Polen pendelt das Album, wobei das Hauptaugenmerk auf letzterem liegt. Frau Badu ist verliebt und das lässt sie uns auch wissen: „Takes some time to let your feelings show / You can‘t hide you can‘t hide / Skies the limit let me really know“ („Umm Hmm“)
Den musikalisch flauschigen Teppich für Badu legen unter anderem Madlib und Ahmir „?uestlove“ Thompson aus. Was sie kredenzen, gehört mit zum Besten, was man in den letzten Jahren im Bereich Black Music zu hören bekommen hat. „Gone Baby, Don‘t Be Long“ ist ein lasziv betörender Soulklassiker, der die Vergangenheit mit der Gegenwart vereint. Denn während der Beat wie zu den Glanzzeiten Motowns sachte und erotisch voranrollt, schleicht sich in Badus sinnliche Stimme von Zeit zu Zeit ein metallischer Auto-Tune-Glanz. Größtenteils ohne technische Hilfsmittel kommen die restlichen Songs aus, die alleine aus dem Zusammenspiel zwischen der perfekt harmonierenden Band und einer auf der Höhe ihres Schaffens agierenden Erykah Badu ihre Kraft beziehen.
Übrigens: Die Strafe für ihren Nacktspaziergang durch die Straßen von Dallas betrug schlappe 500 Dollar. Ein Witz. Im Gegensatz zu diesem herausragendem Album.
Video: „Window Seat"