Interpret:
Erdmöbel
Plattentitel:
Krokus
Label:
Edel
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Lukas Schöttner
Leipzig, 23.08.2010
So sehr man „No. 1 Hits“ von Erdmöbel auch mochte, Songs wie „Auf Und Ab“ und „Riecht Wie Teen Spirit“ regelmäßig Freunden auf Parties vorspielte und lustig dazu tanzte, man kann ihre Entscheidung, ein neues Nicht-Coveralbum aufzunehmen, doch irgendwie verstehen. Schließlich galten Erdmöbel fast schon als Spaßband und letztendlich will man nicht nur für die Lieder anderer Leute bekannt sein. Ja, die meisten wissen nicht einmal, dass „Krokus“ bereits das achte Studioalbum der vier Kölner ist. „Krokus“ ist vielseitiger und aggressiver als die vorherigen Studioalben.
„Sorpe, Banfe, Schobse, Milz“ ruft Sänger Markus Berges zu Beginn von „Fremdes“, dem eingängigsten und aggressivsten Lied auf Krokus. Wer nicht weiß, was es mit „Sorpe, Banfe, Schobse, Milz“ auf sich hat, dem sei gesagt, dass selbst ein Schreiberling für Crazewire Google zur Hilfe rufen musste und herausfand, dass es sich bei den Vieren um Flüsse handelt. Ein zentrales Thema des Songs „Fremdes“ ist der Einsturz des Kölner Stadtarchivs am 3. März vorherigen Jahres, über den nicht nur die vier Kölner von Erdmöbel schockiert waren. Mit der Textzeile „Mögest du in interessanten Zeiten Leben“, eine Chinesische Verwünschung, wendet sich Sänger Markus Berges an die verantwortlichen für den Verlust vieler historischer Dokumente.
Das fast schon jazzige „Wort Ist Das Falsche Wort“ betont ganz besonders die musikalische Entwicklung von Erdmöbel. Hörner im Hintergrund und eine dominante Klaviermelodie. Ganz hinten in der Ecke irgendwo schimmert noch kaum vernehmbar eine Akustikgitarre durch. Hierfür ist in erster Linie das neue Songwriting verantwortlich. So hat Marcus Berges zwar die Lieder auf Gitarre geschrieben, diese danach jedoch der restlichen Band zur Überarbeitung überlassen.
Erdmöbel haben mit „Krokus“ einen würdigen Nachfolger für „No. 1 Hits“ geschaffen. Abwechslungsreich wird hier zwischen Bossa Nova, Reggae und rockigen Hymnen gewechselt, wobei stets das Klavier und nicht die Gitarre im Vordergrund steht. Der Bass, der bei Erdmöbel fast schon als Melodieinstrument gilt, spielt mal regelmäßig wie vorbeihuschende Leitpfosten, und manchmal so verspielt wie die Schrift eines Schreibanfängers. Diese bunte Musikmischung, gepaart mir den Texten von Markus Berges, welche zu jeder Textzeile ein neues, detailliertes Bild im Kopf des Hörers erstehen lassen, machen „Krokus“ zu einem Album das Spaß macht. Jedoch muss auch gesagt werden, dass „Krokus“ auch seine Schwachpunkte hat. Die Zweite Hälfte des Albums verläuft stellenweise ein wenig schleppend und gelangweilt.