Interpret:
Emphasis
Plattentitel:
dto. (Re-Release)
Label:
Sonorama / Groove Attack
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
Keine Wertung
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 01.03.2010
Es ist immer wieder verblüffend, wieviele vergessene Schätzchen noch im Orkus der Popkultur vor sich hin schlummern. Das Berliner Liebhaber-Unternehmen Sonorama Records ist eines der Labels, auf deren Schreibtischen regelmäßig verschollen geglaubte Tonträger auftauchen. Jüngstes Beispiel ist die Jazz-Funk-Fusion-LP „Emphasis" des gleichnamigen Projektes aus dem Jahr 1975. Ursprünglich war das Album in einer Kleinstauflage in der Schweiz und in England veröffentlicht worden und galt seither als unauffindbar.
Passend beschrieben schon damals die Liner Notes, dass Emphasis eine musikalische Sprache sprechen, die „Rock-Rhythmus und Jazz-Improvisation versöhnt". Gewürzt mit einer Portion Funk und einigen Latin-Einwürfen entsteht so ein Klang, über den - so die Liner Notes weiter - Andy Warhol zu Fellini gesagt haben soll: „Sie müssen Emphasis hören." Also her mit einer Extradosis 70er Avantgarde, besonders wenn sie so eingängig und geschmeidig präsentiert wird, wie im Falle des Projektes der beiden renommierten Studiomusiker Pierre Cavalli (Gitarre) und Renato Anselmi (Klavier).
Direkt der Opener „Rainmaker" begeistert mit spielerischem Keyboard und Klassik-Zitaten über einem tanzbaren Rhythmus. „Mackintosh" oder „Feel Like Making Love" sind funky und entspannt, klingen beinahe nach Softporno-Soundtrack und passen dennoch sehr gut ins runde Gesamtbild, dem mit „Dr. Bonnie, Mr. Clyde" auch das skurille B-Movie-Element nicht fehlt. Weiterhin ist die Stevie-Wonder-Nummer „Too High" ein Leckerbissen für Freunde ausgefallener Coverversionen.
Man kann sich gut vorstellen, dass die Herren von Air und Hot Chip bis zu Whitest Boy Alive Gefallen an diesem Album finden. „Emphasis" ist Tanzmusik auf Samtpfoten, die stilvoll durch eine edle Lounge gleitet und beizeiten in einer Rakete aus Perlmutt in den Weltraum startet.