DETAILS

Interpret:
Einar Stray

Plattentitel:
Chiaroscuro

Label:
Sinnbus / Rough Trade

VÖ:
13.01.2012

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 11.01.2012

PLATTENKISTE

Einar Stray - Chiaroscuro

Einar Stray - Chiaroscuro

Die frühen Veröffentlichungen eines Jahres haben es erfahrungsgemäß schwer, Eingang in die Bestenlisten im Dezember zu finden. Zu kurz scheint oft die Aufmerksamkeitsspanne von Medien und Konsumenten. Sinnbus Records schert sich einen feuchten Dreck um derartige Marktprognosen und legt bereits Mitte Januar ein Album vor, das sich bei Erscheinen wenige Wochen zuvor, berechtigte Chancen auf einen Platz in der Spitzengruppe so mancher Jahrescharts hätte machen können. So dürfen wir „Chiaroscuro" als ersten strahlenden Höhepunkt im apokalyptischen 2012 genießen und den Norweger Einar Stray als erste Entdeckung feiern. Sein Debut sprudelt über vor orchestralem Ideenreichtum und gefühlvollen Arrangements.

Für die wundervolle Instrumentierung von „Chiaroscuro" zeichnet der erweiterte Bekanntenkreis aus dem Umfeld von Strays norwegischem Label Spoontrain verantwortlich. Kollektivistischer Szenegeist im Dienste der größeren Sache eines Einzelkönners? Beinahe möchte man an Saddle Creek und Bright Eyes denken, auch wenn die musikalischen Gemeinsamkeiten zwischen Nordlicht und Kleinstadtamerikaner eher unter der Oberfläche liegen.

Ein Album, das man schnell nicht wieder loslassen möchte. Das wundervolle „Yr Heart Isn't A Heart" verspricht bereits nach wenigen Hördurchgängen, zum ewigen Begleiter zu werden. Der Duett-Gesang ruft Erinnerungen an die Stars zu „Set Yourself On Fire"-Zeiten wach, während sich musikalisch weiterhin immer wieder Verweise in Richtung jenes Illinoise finden, das Sufjan Stevens so meisterlich intonierte. Überhaupt scheint der amerikanische Ausnahmekünstler Eindruck auf Einar Stray hinterlassen zu haben. Es zeigt sich vor allem in der Art, wie Stray Leichtigkeit mit Tiefgang kombiniert. „Caressed" oder das wuchtige „Beast" sind weitere Beispiele für jene Beobachtung.

Daneben möchte man allerdings immer wieder Post Rock-Bands wie Mogwai oder Explosions In The Sky als Einfluss erkennen, so etwa wenn im einleitenden Titeltrack oder bei „We Were The Core Seeds" mit dem Lautstärkepegel gespielt wird und sich mitunter meterhohe Gitarrenwände auftürmen. Dieses Album klingt vielschichtig und opulent, ohne es dabei zu übertreiben. Chorgesang, Streicher und zahlreiche Blasinstrumente sind genau richtig platziert und machen „Chiaroscuro" zu einem raumfüllenden Erlebnis.

Auch wenn das Jahr gerade müde die Augen aufschlägt, sollte man bei diesem Künstler aufhorchen. „Chiaroscuro" ist das erste Album in 2012, das man gehört haben muss. Auf dass mit Einar Stray nicht nur eine Perle vor die Säue geworfen werde.

Video: „Yr Heart Isn't A Heart"


 

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