DETAILS

Interpret:
Eels

Plattentitel:
Tomorrow Morning

Label:
Cooperative Music / Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
7.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Jan Nicolai Kolorz
Köln, 23.08.2010

PLATTENKISTE

Eels - Tomorrow Morning

Eels - Tomorrow Morning

Zeit ist Geld. Das mag für BWL-Studenten, Börsenmakler oder 100-m- Läufer gelten. Mark Oliver Everett alias E und seine Band Eels lassen sich von der allgegenwärtigen Formel nicht aus der Ruhe bringen. Nach gut fünf Jahren hat der Pop-Kauz jedoch in aller Stille genug Material gesammelt um eine thematisch geschlossene Trilogie zu veröffentlichen. Neben B-sides, einem Best Of und Live-Aufnahmen kommt nach „Hombre Lobo“ und „End Times“ die zeitliche Symbiose aus dem Davor und Danach. Es nennt sich „Tomorrow Morning“ und ist eine kleine, zahme Minimal-Oper mit hier und da ein wenig Elektronik und Gestreiche. Neu ist das nicht, aber schön. In vierzehn kleinen Indie-Operetten klagt E über neue Chancen und neues Glück und schwankt hierbei zwischen versoffenem Crooner und Psychotherapeuten für das aufgeklärte Jungvolk.

Fernab vom Garagenrock oder der folk-lastigen Unbestrittenheit der beiden jüngsten Vorgänger, werden auf „Tomorrow Morning“ neue Klanglandschaften beschritten. Mit Field Recordings, Loops, Drum-Machines und allem voran, Everetts karger, fesselnder Stimme begleiten wir die Eels in eine Tageszeit, die ruhig und besinnlich ist. Ein musikalischer locus amoenus scheint das Leitmotiv der Platte zu sein. Zu jeder Zeit erinnert man sich an „The morning, when the birds are asleep / (...) Baptized by the sun“. Vor soviel poetischer Energie läuft einem schnell die Nase, wäre da nicht der gelassene, slackerhafte Unterton, den man von den Eels kennt und liebt. In dem shantyhaften „Oh So Lonely“ schließlich, spürt man die Reife der langen Bandgeschichte, musikalisch wie auch textlich: „If the grass is not greener you know what it needs / I knew that I had to throw down some seeds / Oh so lovely / Lord above me I feel my heart changing in mysterious new ways“.

Bei so viel Dankbarkeit für das schöne Leben kullert dann doch fast eine Träne aus dem Knopfloch. Eine kleines großes Stück Musik, Herr Everett.

Video: „Spectacular Girl“


 

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