DETAILS

Interpret:
Ed Harcourt

Plattentitel:
Lustre

Label:
Piano Wolf / Al!ve

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Lukas Schöttner
Leipzig, 21.06.2010

PLATTENKISTE

Ed Harcourt - Lustre

Ed Harcourt - Lustre

Draußen scheint die Sonne und man hat gestern ausgiebig gefeiert. Irgendwie kommt da der Plan zustande, sich mit dem Laptop auf dem Schoß auf eine Wiese zu setzen und eine Rezension zu schreiben. Auf dem To-Do-Stapel liegt ganz oben „Lustre“, das fünfte Studioalbum des Englischen Liedermachers Ed Harcourt. Ein dunkelrotes Cover, auf welchem Ed Harcourt, seine Frau und ihr gemeinsamer Sohn, alle ganz in schwarz gekleidet, abgebildet sind, lassen jedoch daran zweifeln, dass dies die Musik für den heutigen Tag sein sollte. Sitzt man dann jedoch auf besagter Wiese und die ersten Klänge von „Lustre“ strömen durch die Gehörgänge wird sehr schnell klar, dass wahrscheinlich kein passenderes Album auf dem To-Do-Stapel liegen kann.

„Lustre“ ist gerade zu vollgepackt. Und das sowohl auf musikalischer, als auch auf textlicher Ebene. Ed Harcourt besingt Liebe, Geburt, Licht und Dunkelheit mit Hilfe von Streichern und so manche Backgroundsängerinnen. Das erste Lied, das gleichzeitig auch der Titelsong ist, ist eine Ode an den Optimismus. Langsam aber sicher schwillt „Lustre“ an und lässt dann beim letzten Refrain alles Angestaute abfließen. „Church Of No Religion“ malt (in leuchtenden Rottönen natürlich) eine Karikatur der Kirche. Mit Zeilen wie „All your money and all your faith /All your Necklaces and holy visions /Won't make the world a better place.“ nimmt Ed Harcourt keinesfalls ein Blatt vor den Mund.

Dazu kommt die mit geladene Textzeile „If world war three comes soon, you'll find me singing in the church of no religion“. Obwohl wir natürlich nicht von ersterem ausgehen wollen ist es doch gut zu wissen, dass er vor hat, sich selbst treu zu bleiben. Die erste Single „Do As I Say, Not As I Do“ wird von Klavier geleitet, welches zunächst ruhig und zurückhaltend plätschert, aber bereits zum ersten Refrain voller Lebensfreude hämmert. Dazu Handclaps und Zeilen wie „Why should we listen to you?“, mit welchen Ed Harcourts selbstbewusste Opposition auf den Hörer deutlich abfärbt.

Danach verliert „Lustre“ zwar an Geschwindigkeit, keineswegs jedoch an Energie. „Killed By The Morning Sun“ wird von einer alten Hammond Orgel begleitet und bis zum Einsatz der Stimme erwartet man Bob Dylans Gesang. Auch „Lachrimosity“ ist eher ruhig geraten, hat jedoch eine sehr schöne aufbauende Wirkung. Der krönende Höhepunkt findet sich in „Fears of A Father“, ein seinem Sohn gewidmetes Feuerwerk, voller Freude und Liebe. In Zeilen wie „Blood of my blood“ scheut sich Ed Harcourt keineswegs, seine Stimme zu heben.

Das poppige Indie-Sommerlied „A Secret Society“ besteht aus peitschenden Gitarren, hämmerndem Klavier, Backgroundchören und einer Gesangsmelodie welche (besonders beim Kochen) immer wieder zum Ohrwurm wird und dann, von rhythmischen Salz- oder Pfefferstreuergerassel begleitet, gerne gesummt wird. Jetzt nur nichts anbrennen lassen! Anbrennen lässt Ed Harcourt auf „Lustre“ ganz sicher nichts. Ganz im Gegenteil; er hat alles richtig gemacht und ein gelungenes, mehrgängiges Menü gezaubert und dabei auch an Vegetarier gedacht. „Lustre“ ist zweifellos eines der großen Alben dieses Jahres.


 

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