Interpret:
Earl Greyhound
Plattentitel:
Suspicious Package
Label:
The Organisation / Soulfood Music
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
6.5 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 23.08.2010
Lange Haare, Afros, Rauschebärte, bunte Gewänder, Schlaghosen - willkommen in der wundersamen Welt von Earl Greyhound, in der auch 2010 noch alles 1971 ist. Nicht nur das Outfit des Trios aus Brooklyn ist auf Nostalgie gebügelt, auch die Musik steckt knietief in den Siebzigern. Wabernde Psychedelia, knochentrockene Led Zeppelin-Anleihen und ausufernde Songstrukturen, die dann auch mal mythologisch „The Eyes Of Cassandra Part I“ und „Part II“ heißen dürfen.
Earl Greyhound wirken dabei jedoch nicht wie billige Kopisten, sondern wie gelehrige Chronisten, die mit dem Fleiß der Zuspätgeborenen den Geist einer Ära inhalieren, als würden sie auf einem Flokatiteppich ein kuscheliges Sit-In mit Robert Plant, John Lennon und einem zugedröhnten Team von hornbebrillten NASA-Wissenschaftlern abhalten. Die Zeit fliegt einem in Songs wie „Misty Morning“ mit interstellarer Geschwindigkeit um die Ohren, bis der Begriff „Zeit“ zu einem philosophischen Sujet wird, über das sich die muntere Gesellschaft bis in die frühen Morgenstunden aufgeregt unterhalten kann.
Doch bereits am nächsten Morgen sind die Spuren des Abends bis auf unzählige leere Rotweinflaschen und einem süßlichen Geruch in den Vorhängen verschwunden. In „Shotgun“ hilft der Geist von Robert Pollards Guided By Voices mit mächtig scheppernden Gitarrenakkorden bei den Aufräumarbeiten, so dass man beim ruhig vor sich hinfließenden „Out Of Air“ wieder raus ins Freie kann. Luft schnappen, Energie tanken für den kommenden Abend. Denn da geht die Party mit den altbekannten Gästen von Neuem los.
Video: „Shotgun“