DETAILS

Interpret:
Dosh

Plattentitel:
Tommy

Label:
Anticon / Indigo

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
9.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 19.07.2010

PLATTENKISTE

Dosh - Tommy

Dosh - Tommy

Ein Name kann oft eine große Bürde sein. Man muss nicht erst Eva Braun heißen, um diese Erfahrung nachvollziehen zu können. Wie es sich denn etwa mit dem Namen Martin Luther King Chavez Dosh lebt, könnte man fragen. Der Multiinstrumentalist geht darauf eher indirekt ein, indem er sein Soloprojekt schlicht Dosh nannte und bereits seit vielen Jahren mit seiner Musik mehr Gedanken anregt, als Fragen zu beantworten.

Ein wichtiger Name im Kosmos von Dosh ist neben Fog, bei denen Martin spielte, vor allem Andrew Bird, mit dem er an mehreren Alben gearbeitet hat und für welchen er auch häufiger als Co-Songwriter fungierte. In seinem Heimathafen Minneapolis ist der Schlagzeuglehrer daher gut vernetzt. Wie man aus Internetvideos erfahren kann, ähneln Livekonzerte deshalb oft spontanen Sessions. Soundkollagen und Lieder entstehen scheinbar aus der Improvisation.

Überhaupt ist es dieses vermeintlich ungeplante Element, das die Kompositionen von Dosh auszeichnet. Schon beim 2006er Meisterwerk „The Lost Take“ wurde man bei jedem Hördurchgang zum Zeuge einer neuen Schöpfung. „Tommy“ geht nun stellenweise noch einige Schritte weiter in Richtung Jazz. Songs wie „Country Road X“ oder das unerhört entspannte „Call The Kettle“ fließen und tragen den Hörer fort. Loops, Samples und Liveinstrumente verschmelzen zu einer neuen Daseinsform.

Dosh entwirft eine ebenso facettenreiche, wie in sich geschlossene Klangwelt, bei der neben besagten Jazz-Anleihen auch experimentelle Folk-Spielarten virtuos miteinbezogen werden, wie etwa im psychedelischen „Number 41“. Ferner darf man sich am dezenten Space-Blues „Neverment“ erfreuen, bei „Town Mouses“ an die Beta Band denken oder leicht überwältigt werden, vom wuchtigen Rausschmeißer „Gare De Lyon“, bei dem Dosh sich als Meister eines post-rockenden laut/leise-Spiels zeigt.

„Tommy“ ist sicher avantgardistisch, doch zu keiner Stelle abgedriftet oder verschlossen. Die Produktion ist lebendig und organisch, atmet die Begeisterung ihrer Macher. Dosh ist eine besondere Empfehlung für Menschen mit offenen Ohren.


 

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