Interpret:
DOOM
Plattentitel:
Born Like This
Label:
Lex / Rough Trade
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.5 von 10
Autor:
Michael Weber
Köln, 27.04.2009
Selbst wenn MF Doom nicht am laufenden Band Platten produziert, Raps einsingt, die schrägsten und aufregensten Kollaborationen eingeht, macht das als Daniel Dumile in London geborene Metal-Face unentwegt von sich reden. Es hatte sich sogar schon eine kleine Boulevard-Szene um den Mann, der zusammen mit Danger Mouse Danger Doom und gemeinsam mit Madlib Madivillian darstellt, gebildet. Es wurde viel spekuliert, was mit dem Tausendsassa, dem Charakter-Hitgaranten wohl passiert ist. In der einen Meldung wurde sein plötzliches Verschwinden auf eine Krankheit geschoben, in der nächsten hieß es dann, er habe sich zurückgezogen, weil aufgeflogen sei, dass er gar nicht selber rappt und dann war da noch die Meldung seines plötzlichen Todes.
Alles Schnee von gestern. DOOM (so nennt er sich ab sofort) ist weder Krank, noch verbirgt sich jemand anderes hinter dieser bullig hölzernen Stimme und erst recht ist er nicht tot. Er selbst hatte, bezogen auf die Gerüchteküche des Underground Raps, prompt mit der ersten Single, „Ballskin“, von „Born Like This“ wie folgt geantwortet: „Disappear / Reappear / And disappear again“. Er ist eben nicht klein zu kriegen, geht konsequent seinen Weg und ist kein Spielball von Erwartungen der Kritiker, Fans und Neider. Außerdem wurde es mal wieder Zeit, ein DOOM Solo-Album vor sich liegen zu haben.
Erst recht, wenn sich der einem Comic entsprungene Supervillain mit einem einschlägigen Album wie „Born Like This“ zurückmeldet. 17 Tracks bekommt man geboten, die verschiedener nicht hätten sein können, womit „Born Like This“ divers und nicht so konstant daher kommt. Oder doch? Schließlich haben doch alle Tracks inhaltlich mit dem „Born Like This“ aus dem Tittel zu tun. Und alle scheinen wie für DOOM zurechtgeschnitten, was aber wohl auch daran liegt, dass er auch hier wieder viele Beats altbekannter Größen einsetzt. Dilla, Madlib und Jake One wurden eben angepumpt. „Gazillion Ear“ ist ein so typisch leiernder, schluffender Beat von J Dilla, während sein „Lightworks“ von „Donuts“ in blubbernden Experimenten des Left-Fields auf Sirenen und Werbe-Jingels abhebt. Jake Ones vier Produktionen hingegen machen DOOMs ohnehin manchmal schwer zu folgenden Stream of consciousness greifbarer.
Das bereits erwähnte „Ballaskin“ ist vielleicht der herausragendste Song von allen. Der aus zwei Takten bestehende Haupt-Loop haut einem für anderthalb Minuten mit seinem Klavier-, Gitarren- und dem heulenden Hammond-Sample die marschierenden Beats unwiderstehlich um die Ohren. Durch die Kürze verbraucht sich der Song auch nicht. In derselben Präzision schleicht sich sein Beat mit dem „Rap Ambush“ an. „More Rhymin‘“ mit seinen verträumten Klavier-Samples in hohen Lagen und dem opulenten Kontra-Bass ist ebenfalls eines der Higlights auf „Born Like This“.
Den Großteil der Beats hat er aber selbst als Metal Fingered Villain zusammengebastelt. Und in ihnen spiegelt sich DOOMs Experimentierfreude am eigenen Stil wieder. „Cellz“ klingt mit seinen aus alten Marvel-Zeichentrickserien-Samples zugespitzt, bedrohlich, während in „Yessir!“ die Bedrohung durch Sirenen-Sounds und Schüssen eine realere zu sein scheint. Sein ganz persönliches Glanzlicht legt DOOM aber mit dem auf gepitchten Geigen leiernden „That’s That“ ab. Hier zeigt sich mal wieder, dass ihm manchmal eine klare Beatstruktur besser steht. DOOM kommt sogar so sehr in Fahrt, dass er Biz Markie in sich entdeckt und zum Ende hin singt. Das komplett von Empress Strathh Tha Femcee gerappte „Still Dope“ wird mit DOOMs Flöten-Beat mehr, als der Titel vermuten lässt.
Bleibt eigentlich nur noch zu sagen, dass die „Batty Boyz“ und „Supervillainz“ weniger überzeugen, daran kann selbst Slug von Atmosphere wenig ändern. Zu zerhackte Beats, zu viel Dramatik in den Samples, um dann noch DOOMs Rap-Fluss folgen zu können. Und das mit Tony Starks aufgenommene „Angelz“ ist neben „Lightworks“ schon ein älterer Hut. An diesen Stellen wünscht man sich dann doch sehr schnell, dass DOOM endlich wieder ein komplettes Album unter einem Projekt macht, auch wenn „Born Like This“ eben das ist bei DOOM: Ein Projekt, eine Bestandsaufnahme. Weiter.