Interpret:
DJ Hell
Plattentitel:
Body Language Vol. 9
Label:
Get Physical Music / Rough Trade
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
6.0 von 10
Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 12.07.2010
Helmut Josef Geier aka DJ Hell ist ein Pionier der deutschen Technomusik. Seit den frühen neuziger Jahren veröffentlicht er Platten, Remixe und Compilations mitunter bei seinem eigenen Label International Deejay Gigolos. Dabei ist er immer mit hochkarätigen internationalen Künstlern aus den unterschiedlichsten Musiksparten in Verbindung. Nun erscheint seine nächste Compilation „Body Language Vol.9“ für das Booka-Shade-Label Get Physical Music.
Für sein letztes Album Teufelswerk nahm er prompt Roxy Musics Bryan Ferry mit ins Boot, der den Opener „U Can Dance“ mit seiner Stimme zu einem großartigem Track machte. Vom Erfolg angefacht tourte er unermüdlich durch die Welt und bringt nun mit „Body Language Vol. 9“ ein Stück Nightlife in unsere Wohnzimmer.
Hell's DJ-Sets sind wie eine Reise mit Schallgeschwindigkeit durch die Partymetropolen dieser Welt. Eine breit gefächerte Zusammenstellung – 80 % der Interpreten hat man noch nie beim Namen gehört – die geschickt zu einem langatmigen Endlostrack zusammengeschraubt wird. Dieses Geschick lässt die Compilation zu einem Hörgenuss werden, der auch in den eigenen vier Wänden funktioniert. Ist man bei Christian Pommers „Sueño Latino“, dem Opener noch irgendwo verloren zwischen Land und Stadt mit Arpeggio, gelangt man im nächsten Augenblick mitten rein. Mit Carl Craig's Remix von Kirk Degiorgio's „Nairobi" steht man dann mitten in einer spanischen Großraumdisco. Spätestens jetzt sollte klar sein was ich mit der oben genannten Prozentzahl meinte, hier wird Namedroping betrieben. Der Remix von Josh One's „Contemplation“ ist ein hängen bleibender Dancetrack, der mit seiner Sade-ähnlichen Stimme sehr erotisch zum Tanz einlädt. Das Auf- und Abrollen der Beats, des Gesangs und den Hintergrundraffinessen lässt den Hörer förmlich ausflippen. Gekonnte Überlappung und schon findet man sich vertieft im nächsten Song wieder und ertappt sich dabei jede Faser dieser Komposition aufzusaugen. Hin und wieder einer dieser typischen Tracks, die sich auf vielen Compilations wiederfinden und als Fauxpas zu verbuchen sind, aber trotzdem die gesamte Compilation in ein schlechtes Licht rückt.
Wenn Depeche Mode mit „Esque“ als Überleitung für Die Vögel's „Empire“ genutzt werden, ist das im ersten Augenblick ein Schmunzeln wert, man muss dann aber einsehen, dass es besser fast nicht ging. Bei den Bläsern der Vögel ist man quer durch die halbe Welt geflogen, um am Balkan in die Hände zu klatschen. Diese Vielschichtigkeit wird hier zu einem internationalen Homogen und überzeugt. Kurz noch in die Achtziger, nicht zu Bryan Ferry sonder zu David Sylvian mit „Forbidden Colours“ und wieder zurück vom Popsong zum Technotrack. Großer Höhepunkt ist dann aber doch wieder Pop: „This Is Not America“ von David Bowie & Pat Metheny Group. Und nach 23 Nummern und über einer Stunde ist alles vorbei. Die Nacht ist noch nicht durch, die Repeat-Taste wird betätigt.
Video: „U Can Dance“
DJ Hell featuring Bryan Ferry - U Can Dance from Jo Apps on Vimeo.