Interpret:
Delphic
Plattentitel:
Acolyte
Label:
Cooperative Music / Universal
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.5 von 10
Autor:
Kai Töpel
Dresden, 01.02.2010
Falls Bloc Party ihre Andeutungen wirklich wahr machen und sie sich auflösen, haben wir bereits jetzt den passenden Job nach ihrer musikalischen Laufbahn gefunden: Talent-Scout. Denn anders als mit einer guten Nase für aufkommende Bands, kann man ihre Wahl an Vorbands nicht erklären (außer vielleicht mit einem guten Management). Erst nahmen sie Foals mit auf Europatour und kurz darauf schafften diese ihren Durchbruch. Auf der Tour 2009 waren es Delphic, die mit den vier sympathischen Londonern über das Festland tourten und bleibende Erinnerungen hinterließen. Kein Wunder, dass auch hier bald die üblichen Pressemechanismen in England griffen und Delphic schnell zum „Next Big Thing“ gekürt wurden.
Während sich die Parallelen zwischen Foals und Bloc Party wohl an einer Hand abzählen lassen, ist dies bei Delphic schon etwas leichter. Ähnlich wie Bloc Party auf ihrem letzten Album „Intimacy“ experimentieren sie viel mit elektronischen Klängen, geben ihren Songs aber noch mehr Platz und Tiefe. Ein Song wie „Doubt“ hätten Kele und Co jedoch ebenfalls mit Kusshand genommen. Delphic schaffen es auf ihrem Album die Popstruktur ihrer Songs immer wieder mit an Ambient erinnernden Facetten zu verbinden. Sie selbst ziehen Einflüsse zu deutschen Minimal Techno vor, man könnte aber auch wenn man böse ist auch schnell Vergleiche mit New Order ziehen, die ganz nebenbei wie Delphic auch aus Manchester stammen.
Das fängt bereits beim elektronischen Schlagzeug an und setzt sich in den dunkel angehauchten Titeln wie „Doubt“, „Submission“ oder „Halcyon“ fort. Alle Vergleiche zum Trotz, mit „Acolyte" schrammen Delphic knapp am Pop-Epos vorbei, wären da nicht die Momente, in denen sie die Musik einfach tragen lassen. So schaffen sie es, einem Song wie dem Titeltrack „Acolyte“ bis zu acht Minuten Platz zu geben. Dabei verschwimmt das Album beim Hören schnell in ein Ganzes, was alles andere als negativ gemeint ist. Auch wenn sie manchmal zu glatt gespült wirken und Ecken und Kanten vermissen lassen, distanzieren sie sich so zumindest mit Nachdruck von der New-Rave-Szene, zu der sie vor zwei Jahren mit großer Sicherheit gezählt worden wären.
Ob ihnen nun auch der große Durchbruch bevorsteht, wie dies schon viele Medien postulieren, bleibt abzuwarten. Als angenehme Abwechslung stechen Delphic auf jedenfall schon mal aus der Masse an großen Hoffnungen von der Insel raus. Bloc Party waren übrigens auf ihrer ersten Europatour Support für Interpol. Man weiß ja, was daraufhin aus ihnen geworden ist.
Video: „This Monetary“
Delphic - This Momentary from Delphic on Vimeo.