Interpret:
Delorean
Plattentitel:
Subiza
Label:
True Panther / Beggars / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.5 von 10
Autor:
Michael Weber
Köln, 07.06.2010
Hüpf, hüpf, hüpf! Die vier sympathischen Basken machen mit ihrem neuen Album da weiter, wo sie noch vor einem Jahr mit der „Ayrton Senna“ EP aufhörten. „Subiza“ ist eine, zum jetzt endlich beginnenden Sommer, freudestrahlende Platte geworden, die einen Jeden von uns ganz doll herzen wird. Und dabei waren die ersten Klänge der Band vor knappen zehn Jahren noch mit Hardcore, Emo oder Punk durchsetzt. Also alles andere als der jetzt erreichte, hallende Wave-Klang im ähnlichen Stil wie Washed Out, Small Black oder Toro Y Moi, zu dem die Augen geschlossen werden, Träumereien beginnen, wir uns in die wärmenden Melodien wie in ein wiegendes Meer stürzen oder unsere Körper vor lauter Euphorie im Rhythmus einfach auf und abspringen.
Zugegeben: Delorean beschritten schon auf „Ayrton Senna“ stets den schmalen Grad zwischen abgrundtiefem Kitsch und strahlender Größe. Die lockeren, überdrehten Synthesizer, die schillernden Klavier-Läufe, der soft anschlagende Beat, der schräge, nicht ganz akzentfreie Gesang, der summende Bass und die stumpf-klare Gitarre hören sich auf den ersten Blick wie aus einem echolastigen Plastik-Parallel-Universum gezogen an. Wer aber wie sie seine im Techhouse ravenden Indie-Wave-Pop-Flügel so weit ausspannen kann und sich nicht davon irritieren lässt, wie dünn die Luft in den angestrebten Höhen sein kann, weiß was er tut. Für den Notfall ist der Gleitflug gen Erde so verinnerlicht, so dass Delorean auf einen Rettungsfallschirm verzichten können.
So driften sie in neun Songs durch ihr mit ganz viel Anmut versehenes Sonnenschein-Wunderland. Klammern sich an jeden Lichtstrahl und begraben die Hoffnungen auf noch bessere Zeiten nicht. „Babe if you want to we could run away out into the sun“, singt Ekhi Lopetegi in „Warmer Places“. Eine Zeile, die er bereits im Song „Big Dipper“ auf ihrer EP sang. Dass er dabei aber auch noch „But we would only fate from black to black into the dark“ singt, verkommt zur Nebensache. Die wärmenden Klänge und die zuversichtlichen Melodien wischen jeden Zweifel, das Ziel der lichtdurchfluteten Zufriedenheit nicht zu erreichen, beiseite. Der zu Beginn von „Subiza“ geäußerte Aufruf „Stay Close“ ist nicht bloß eine leichtfertig geäußerte Floskel. Er ist gerade erst der Auftakt zu einem Album von Liebenden für Liebende, von Geliebten für Geliebte. Ein mit der Sonne im Rücken fruchtbares Klammern an das Gute im Leben, der „Real Love“. „Will we ever meet again / Will we ever / Hear our hearts hardly beating / Will they ever“: Fragen die eine Antwort verdient haben und sie auch bekommen.
„Grow“ ist nicht nur der musikalische Höhepunkt voller antreibender Schwelgereien auf „Subiza“ sondern auch das von Delorean geforderte Wachsen einer Beziehung. Zwar kommen bis zum Schluss immer wieder zweifelnde Restfragen auf, doch werden diese in jedem Song durch einen immer aufkeimenden Funken an aufsteigender, musikalischer Hoffnung getilgt. Aber auch Lopetegi hält sich mit gekonnten Wendungen, kleinen Anmerkungen im Text stets das Hintertürchen offen, an das sehnsüchtige Sommer-Beziehungs-Szenario festzuhalten. „There is no way back / No way back / Never back / … / Hold on to me / Hold on to you“, heißt es im sachte verhallten Schlusstück „It's All Ours“. Die Hoffnung und der Sommer sind da. Und wir werden noch viele „Endless Sunsets“ Arm in Arm oder vor Freude Hand in Hand hüpfend mit Delorean erleben. Wunderschön!
Video: „Stay Close“