Interpret:
Deerhunter
Plattentitel:
Microcastle
Label:
4AD / Beggars Group / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.5 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 10.11.2008
Der Einstieg in das zweite Deerhunter-Album ist nahezu perfekt. Nebulöse Gitarren gepaart mit spacigen Keyboards, die einen in bester My Morning-Jacket-Manier abheben lassen, so beginnt „Cover Me (Slowly)“. Doch erst in Verbindung mit dem folgenden „Agoraphobia“ entfaltet sich die ganze Magie. Aus den Gitarrenfragmenten des Openers schält sich diese kleine Melodie, die sich im Vergleich zu dem zuvor Gehörten förmlich in die Gehörgänge frisst, während eine einlullende Stimme mantraartig „Cover me, cover me“ singt.
Wie durch einen Schleier hindurch singt Bradford Cox, der in diesem Jahr auch mit seinem Nebenprojekt Atlas Sound von sich reden machte, seine geheimnisvollen Texte, während die Musik zwischen krautrockigen Einflüssen („Nothing Ever Happened“) und drogenumnebelter Psychedelia, wie man sie von den frühen Dandy Warhols-Alben kennt („Little Kids“), hin und herpendelt.
Diese Fülle an Sounds, die kaleidoskopische Bandbreite zwischen eingängig und vertrackt, zwischen akustisch und elektrisch, Rock und Psychedelia (meistens in ein und demselben Song), sorgen dafür, dass „Microcastle“ immer unberechenbar und spannend zugleich bleibt. Ein Album, das schwer einzufangen ist, Haken schlägt, um sich dann wieder einzuschmeicheln, nur um dich in der nächsten Sekunde erneut anzugreifen.
Um das Bild dieser hyperkreativen Band abzurunden, gibt es mit der Bonus-CD „Weird Era Cont.“ noch zusätzliche Songs, die jedoch um einiges skizzenhafter und unfertiger wirken. Doch man erkennt auch in der rauen Schönheit von Songs wie „Operation“ oder „Dot Gain“, wie verspielt die Band zu Werke geht. Wie ein kleines Kind im Instrumentenladen probieren Deerhunter alles aus, was sie in ihre Finger kriegen. Da stellt sich dann schon die Frage: Wer will bei soviel Experimentierfreude überhaupt erwachsen werden?