Interpret:
David Bowie
Plattentitel:
dto. (Deluxe Edition)
Label:
Decca / Universal
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
Keine Wertung
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 22.02.2010
Am 1. Juni 1967 erschien ein Album, das die Musikwelt auf den Kopf stellen sollte. Alles, vom Konzept einer fiktiven Kapelle, über die musikalische Umsetzung bis hin zum grandiosen, vielschichtigen Cover, wiesen den Weg in eine Zukunft, in der das Format „Album“ mehr war als nur die Zusammenfassung mehrerer Singles. Ein Album, das in den kommenden Jahren von vielen Bestenlisten als Primus auf andere Veröffentlichungen hinabblickte.
Die Rede ist hier selbstverständlich von „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“ der Beatles. Wie es der Zufall will, wurde jedoch an genau demselben Tag das Debütalbum eines blassen, schlaksigen Briten namens David Bowie veröffentlicht. In einer kleinen Rezension des „Disc And Music Echo“-Magazins merkte der Autor bereits an: „Try David Bowie. He‘s something different“. Doch noch wollte niemand so recht Bowie folgen, dafür war sein Mix aus viktorianischen Vaudeville-Nummern und orchestrierten Folksongs einfach noch nicht „different“ genug. Ein Album, das im Fahrwasser der aufkommenden Psychedelia perfekt den Zeitgeist abdecken wollte, das so aber in der Menge der Veröffentlichungen unterging. Bezeichnenderweise heißt ein Song „Rubber Band“, der wie eine perfekte Kopie eines Beatles-Songs auf entweder „Rubber Soul“ oder eben „Sgt. Peppers“ klingt und in dem Bowie ebenfalls eine fiktive Band besingt.
Selbstverständlich ist es unfair, das Werk eines gerade einmal neunzehnjährigen Novizen mit dem der größten Band der Musikgeschichte zu vergleichen, die sich auf ihren ersten Alben künstlerisch auch noch finden mussten. Und so ist „David Bowie“ auch kein schlechtes Album geworden. „Love You Till Tuesday“ ist ein flockiger Easy-Listening-Track, der leicht ins Ohr fällt, „Little Bombardier“ ein altmodischer Walzer über einen unglücklichen Kriegsveteranen. Bereits damals konnte Bowie mit wenigen Zeilen große Geschichten erzählen.
Die nun erschienene „Deluxe Edition“ des Debütalbums lässt uns mit dem Abstand von über vierzig Jahren ein wenig wohlwollend auf dieses Album zurückblicken, das bereits zwei Jahre danach mit dem Meisterwerk „Space Oddity“ um Lichtjahre in den Schatten gestellt wurde. 1969 wäre es Bowie auch nicht mehr eingefallen, einen Kindersong wie „The Laughing Gnome“ als Single zu veröffentlichen, der mit hochgepitchten Stimmen wie eine drogengeschädigte Version der Chipmunks klingt und der hier auf der Bonus-CD zu hören ist. Doch bereits die vor sich hin schleichende B-Seite „The Gospel According To Tony Day“ lässt Bowie diesen Fauxpas ausbügeln. Von da an ging es in den Weltraum, in ungeahnte Weiten, Bowie wurde „Ziggy Stardust“, der kleine schlaksige Junge verschwand, ebenso wie das Debütalbum, von der Bildfläche. Hätte Bowies Karriere nur aus seinem selbstbetiteltem Debüt bestanden, er wäre womöglich ein Fall für obskure Novelty-Sammler geworden. Doch so ist „David Bowie“ nur der Beginn einer langen musikalischen Reise, die bis heute anhält.