Interpret:
Damien Jurado
Plattentitel:
Saint Bartlett
Label:
Secretly Canadian / Cargo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.5 von 10
Autor:
Lukas Schöttner
Leipzig, 12.07.2010
Man sitzt im Bus und lässt sich den Fahrtwind durch das geöffnete Fenster ins Gesicht peitschen. Es war wieder unglaublich heiß heute und die Stadt am Rhein versucht sich, jetzt, da die Sonne nicht mehr anwesend ist, vergeblich abzukühlen. Man Braust also aus der Stadt heraus von Dorf zu Dorf und beobachtet die Beleuchtungen, die, bis auf das immer wiederkehrende leuchtende M, immer düsterer werden. Dazu, wie könnte es anders sein, lauscht man den wunderbar magischen Klängen von Damien Jurados neuntem Album „Saint Bartlett“, das der Mann aus Seattle auf dem Kanadischen Label Secretly Canadian veröffentlicht.
Damien Jurado bleibt sich auf „Saint Bartlett“ treu. Auch „Saint Bartlett“ weist jene wunderschönen melancholischen Momente auf, welche man bereits auf Jurados letztem Album „Caught In The Trees“ bewundern durfte. Jedoch scheint „Saint Bartlett“, wenn auch ebenso melancholisch, nicht so düster zu sein.
„Saint Bartlett“ wird von „Cloudy Shoes“ eröffnet. Wunderschöne anschwellende Mellotronklänge, Echos und ein Call-and-Response-Text, sodass man das Gefühl hat, Damien Jurado führt einen Dialog mit sich selbst. Musikalisch erinnern die ersten paar Lieder ein wenig an Motown, wobei Jurados Gesang eine gewisse Ähnlichkeit mit dem von Jim James (My Morning Jacket) und Robin Pecknold (Fleet Foxes) aufweist. Dazu Textzeilen wie „I wish that I could float up from the ground / I will never know what that's like“, welche immer wieder von Verzweiflung zeugen.
Genau so wie die Busfahrt durch die Stadt, durch Ampeln, riesigen angeleuchteten Plakaten mit Werbung und angeheiterten Menschen, die auch zu später Stunde noch durch die Straßen strömen, hektisch erscheint, so ist auch die erste Hälfte von „Saint Bartlett“ lauter und hektischer als die zweite. Nicht selten ertönt eine verzerrte Gitarre und begleitet Jurados ruhigen Gesang.
Wenn man die Stadt verlassen hat und die Abstände der Haltestellen unregelmäßiger werden, hat man auch auf „Saint Bartlett“ die Schwelle zur ruhigeren Musik überschritten und es scheint so, als würde sich die Straßenbeleuchtung würdevoll Jurados Gesang beugen.
„Kansas City“ ist ein verträumtes Liebesgeständnis an seine verstorbene Mutter. Mit Chören im Hintergrund, Hall auf der Stimme und einer todtraurigen Gesangsmelodie schließt Damien Jurado den Hörer förmlich in seine Arme und man ertappt sich sogar beim betätigen der Repeat-Taste, aus Angst plötzlich losgelassen zu werden.
„Saint Bartlett“ wird nach einer viel zu kurzen Spieldauer von etwa 35 Minuten von „With Lightning In Our Hands“ beendet, wobei Damien Jurado ganz still und leise Abschied von seinen Hörern nimmt; und zwar allein durch Gesang und Akustikgitarre, ohne weitere Instrumentierung. Parallel dazu schließt man bereits seine Haustür auf und tritt in den dunklen Hausflur. Sobald der letzte Ton ausgeklungen ist, zieht man sich langsam die Kopfhörer von den Ohren und sucht mit den Händen im Dunkeln nach dem Lichtschalter. Ein Klicken ertönt und man fühlt sich wie aus einem Traum gerissen.