Interpret:
Cymbals Eat Guitars
Plattentitel:
Why There Are Mountains
Label:
Memphis Industries / PIAS / Rough Trade
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.0 von 10
Autor:
Michael Weber
Köln, 16.11.2009
Von Pitchfork mit einem „Best New Music“ versehen und vom NME als eines der wohl besten Indie-Alben in diesem Jahr bezeichnet, veröffentlichen Cymbals Eat Guitars aus Staten Island, New York ihr Debüt nun offiziell nicht mehr unter Eigenregie. Als die Band im März mit „Why There Are Mountains“ an die Öffentlichkeit trat, machte sie es noch ganz ohne Label in guter alter Indie-DIY-Manier und wusste gleich zu begeistern. Den zwei Gründungsmitgliedern Joseph D'Agostino und Matthew Miller sind Eigeninitiative, Aufopferung und der Glaube in das eigene Können auch keine Fremdwörter. Denn den Arsch hat man sich bereits in New York genug abgespielt und dabei ausreichende Kontakte knüpfen können, bis Pitchfork ihnen das Siegel aufdrückte.
Da versteht es sich wie von selbst, dass Cymbals Eat Guitars bei uns nicht unter den Tisch fallen dürfen. In der Tat: „Why There Are Mountains“ ist ein überwältigendes Debüt geworden, das vom ersten Song an mitreißt. Mit einem Opener wie „...And The Hazy Sea“ in dem stürmisch über den wummernden Bassläufen und den krächzenden Gitarren gesungen wird, schmettert die Band einem einen Schwall geladener Euphorie entgegen. Von geradlinigem Kalkül, wie Indie-Rock auszusehen hat, kann bei diesem Song und der Band nicht die Rede sein. Rhythmische Wendungen oder harmonische Spielereien, die die neun Songs immer ein bisschen abseits der Spur laufen lassen, ziehen sich wie ein Roter Faden durch das Album. Für eine Indie-Rock-Band, die aus New York kommt und deren Mitglieder unüberhörbar Pavement verbunden sind, ist das Experimentieren mit dem Schrägen, dem Ver-Rückten Bestandteil des Guten Tons.
Jeder der Songs auf „Why There Are Mountains“ ist auf seine Weise ein dramatischer Schrei an Sehnsucht und Wehmut geworden. In jedem getriebenen Gesangsansturm, in jeder neuen Raserei am Schlagzeug, mit jedem dröhnenden Bass und mit jeder aufheulenden Gitarre in „Some Trees (Merrit Moon)“ lässt sich das schon sehr gut nachvollziehen. Mit „Indiana“ zeigen sie dann auch, dass ihre Musik auch wunderbar mit einem Saloon-Piano, glitzernden Synthesizern und satten Bläsern funktioniert, ohne Energie einzubüßen. In „Cold Spring“ wärmen die Streicher vor der melancholischen Brise, die noch zu Beginn des Songs weht, bevor der rumpelnde Bruch eingeläutet wird und ein orchestraler Zwischenspurt den Song in schwindelnde Höhen treibt. Im folgenden „Share“ verweilen Cymbals Eat Guitars noch in den erreichten Höhen und schweben zu schunkelnden Bläsern auf den kratzenden Gitarren, was schon eine schmeichelnde Homage an Broken Social Scene ist.
Nachdem sie mit „What Dogs See“ langsam zur Erde zurück gesunken sind, setzt mit „Wind Phoenix (Proper Name)“ die wohl erfrischenste Nummer ein. Ja, hier wird durch tänzelnde Rhythmen an Bass und klimpernden Perkussionen sowie Heiterkeit versprühende Bläser das Bild des Albums für einen lichten Moment klarer. Cymbals Eat Guitars geben danach noch einmal richtig Gas, lassen alles raus und kommen bei „Like Blood Does“ schlussendlich verausgabt an ihr Ziel die zuvor aufgebaute schräge Indie-Opulenz zerstörerisch in sich zusammen fallen zu lassen. „Why There Are Mountains“ ist ein absolutes Muss in diesem Jahr und es wäre mehr als ein Jammer gewesen, wenn es nicht bei uns veröffentlicht worden wäre. Doch wird es sich trotz der überschäumenden Presse-Bekundungen sein Publikum auch hier erst verdienen müssen. Was nämlich mit einem „Best New Music“ ausgezeichnet wurde, muss sich, so traurig das klingt, auch nicht gleich verkaufen. Zu wünschen wäre es dieser belebenden Band nur. Also, bitte kaufen oder zu Weihnachten wünschen.