Interpret:
Crystal Stilts
Plattentitel:
Alight Of Night
Label:
Angular Recordings / Al!ve
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.0 von 10
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 09.03.2009
Brooklyn ist nicht erst seit gestern eine gute Adresse für spannende Musik. Neben viel beachteten Gassenhauern, schlummert unter der Oberfläche so einiges, das entdeckt werden möchte. Crystal Stilts sind so ein Fall und wollen mit „Alight Of Night“ nun vom Pitchfork-Geheimtipp in den Indie-Rock-Olymp aufsteigen. Die Band hat sich gut fünf Jahre Zeit genommen, um vom Duo zum Quintet zu wachsen und schließlich ein Debütalbum einzuspielen.
Hier ist etwas gereift, das merkt man direkt. Von den ersten rumpelnden Riffs in „The Dazzled“ bis zum traumwandlerischen Rausschmeißer „The City In The Sea“, atmen alle Stücke den selben Geist, entfaltet sich bald eine dichte Atmosphäre der angeschlagenen Dunkelheit. Doch trotz aller Wunden, heißt es weitermachen, sind die Pfade auch verschlungen, der Schritt durch Alkohol oder Narkotika ein wenig holprig. Eine Liebe zu Velvet Underground, Jesus & The Mary Chain und Phil Spector darf man allen Bandmitgliedern unterstellen. Crystal Stilts verbinden dies äußerst lässig mit gelegentlichen Anleihen von Happy Mondays oder Zombies und erschaffen so ursprünglich und roh klingende Hymnen für die nächtlichen Stunden.
Oft sind es eine wabernde, mitreißende Orgel und locker gezupfte Surf- Gitarren, die wie bei „Crystal Stilts“ oder „Spiral Transit“ im Zentrum der Hitze für feuchte Ohren sorgen. The Raveonettes sind aktuelle Vertreter dieses Sounds. „Graveyard Orbit“ entführt dagegen in eine Geisterstadt im Wilden Westen. Die Nacht naht und durch die verlassenen Straßen fegen die Heuballen. Doch bevor die Angst zu groß wird, erklingt der Schellenkranz von „Prismatic Room“. Die Band kommt ordentlich ins Rollen, serviert im Anschluss den wuchtigen Hit „The Sin King“ und gemahnt mit dem souligen Stampfer „Bright Night“ gar an die frühen Stones.
Selten hinterlässt ein Debüt einen derartig runden Eindruck. Die Produktion ist ungeschönt, verwaschen, manchmal kantig und füllt doch den letzten Winkel des Raumes. „Alight Of Night“ ist daher ein mehr als solider Grundstein für eine hoffentlich ereignisreiche Karriere. Es bleibt zu hoffen, dass Crystal Stilts in der Fülle lohnenswerter New Yorker Bands nicht untergehen.