Interpret:
Cosmo Jarvis
Plattentitel:
Is The World Strange Or Am I Strange?
Label:
25th Frame Productions / Rough Trade
VÖ:
13.01.2012
Punkte:
6.0 von 10
Autor:
Isabel Parzich
Wuppertal, 11.01.2012
Die Frage, die sich der gerade mal 21-jährige Harrison Cosmo Krikoryan Jarvis mit seinem Albumtitel stellt dürfte dem Ein- oder Anderen sicherlich des Öfteren im Kopf umher geistern. Jarvis, der in New Jersey geboren wurde und in Devon im Vereinigten Königreich aufwuchs, bringt mit „Is The World Strange Or Am I Strange“ bereits seinen zweiten Longplayer auf den Markt. Damit nicht genug, Herr Jarvis ist auch als Regisseur aktiv und zeichnet sich für den Videoclip zur Single „Gay Pirates“ verantwortlich, der bei Youtube mal eben knapp 800k Clicks aufweisen kann und von schwulen Celebrities wie Stephen Fry oder John Barrowman abgefeiert wird.
Musikalisch bewegt sich eben erwähnte Single und zugleich Opener des Albums auf irischem Terrain und erinnert stark an The Pogues. Dennoch: eine musikalische Determination ist nahezu unmöglich. Hier treffen Indie-Hymnen („Sure As Hell Not Jesus“) und Bluegrass-Nummern („Blame It On Me“) auf The Streets-ähnliche Spoken Word Cutz („Is The World Strange“, „Daves House“), Banjospiel auf E-Gitarren-Soli und Flötengewitter. Das fast schon psychedelische „Let Me Out Of My Head“ mag dann endlich die Erklärung für diese bunte Musiktüte liefern. Jarvis wünscht sich nichts sehnlicher als den Konventionen und Hürden, die man sich selbst aufgebaut hat zu entkommen. Dazu zählt dann wohl auch, nicht stringent zu arbeiten. Es folgen weitere Genre-Exkursionen, so werden mit „She Doesn’t Mind“ die Reggae-Fans beglückt, bei „My Day“ hingegen dürften Punk-Rock-Fans auf ihre Kosten kommen. Der zehnminütige Epos „Betty“ schließt das Album ab und lässt hier und da an Mars Volta erinnern.
Was will dieser Cosmo Jarvis von uns und weiß er das selbst schon? Musikalisch ist das sicherlich hochwertig und besonders geeignet für Menschen mit einer Vorliebe für Abwechslung. Für diejenigen die nach einem Gesamtkonzept suchen, mag diese Platte jedoch zu enervierend sein. Am Ende ist es eben doch die Welt die seltsam ist, denn die Hölle, das sind die Anderen.
Video: „Gay Pirates“