Interpret:
Charlotte Gainsbourg
Plattentitel:
Stage Whisper
Label:
Because / Warner
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Köln, 01.02.2012
Ist dies nun ein neues Album, das mit Live-Versionen aufgepeppt wurde? Oder ein Live-Album, dem mit neuen Songs weitere Kaufanreize gesetzt werden sollen? Ein wenig ratlos blickt der Rezensent zunächst auf „Stage Whisper“, diesem Hybrid, bestehend aus neuen Studio- und altbekannten Live-Tracks der französischen Schauspielerin/Charakterdarstellerin Charlotte Gainsbourg. Fein säuberlich und wie Jungs und Mädchen in der ersten Tanzschulstunde getrennt, finden sich 19 Songs, die unter den Überschriften „Unreleased“ und „Live“ gesammelt sind.
Die insgesamt acht neuen Songs überraschen dabei durch ihre ungeheure Vielfältigkeit. Charlotte Gainsbourg hat sich durch ihren Haus- und Hofproduzenten Beck Hansen Songs auf den Leib schneidern lassen, die mit ihrer pulsierenden Glam-Disco-Atmosphäre („Terrible Angels“) oder einem archaischen Dschungeltrommelbeat („All The Rain“) sowohl Goldfrapp als auch Lykke Li zu gleichen Teilen sprachlos vor Neid werden lassen. Gainsbourgs ätherische Stimme, die mit ihrer verträumt windschiefen Art immer mehr an die der großen Nico erinnert, gehört beileibe nicht zu den Wandelbarsten im Musikgeschäft. Dennoch schafft sie es durch ihre schiere Präsenz, den Songs jeweils eine Gänsehaut zu verpassen, die sich direkt auf den Hörer überträgt.
Auch wenn die zweite Hälfte der Songs nicht aus der Feder Becks stammen und von Bewunderern wie Duettpartner Charlie Fink (Noah & The Whale) oder Conor J. O‘Brien (Villagers) geschrieben wurden, wird der leicht angeschrägte Ansatz der Beck‘schen Kompositionen größtenteils beibehalten. Songs wie „Anna“ oder „Out Of Touch“ bewegen sich dabei aber schon am Rande des mondlichtigen Chansons wie ihn Air einst bis zur Perfektion pflegten.
Die auf die Studiosongs folgenden elf Live-Versionen wurden während der Europa Tournee 2010 eingespielt und geben einen guten Querschnitt der beiden Studioalben Gainsbourgs wider. „IRM“ ist eine muskelbepackte Space-Odyssee, in der Dylan-Coverversion „Just Like A Woman“ wird es mit gehauchtem Timbre intim. Obwohl ein Song wie „Voyage“, der direkt aus den frühen Wave-Achtzigern zu stammen scheint, durchaus beeindrucken können, sind die Live-Versionen doch nur nette Dreingaben zu den außerordentlich guten Studiosongs geworden, womit sich dann auch die eingangs gestellte Frage wie von selbst beantwortet.
Video: „Terrible Angels"