DETAILS

Interpret:
Charles Spearin

Plattentitel:
The Happines Project

Label:
Arts & Crafts / Al!ve

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
7.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 20.04.2009

PLATTENKISTE

Charles Spearin - The Happines Project

Charles Spearin - The Happines Project

Eine gute Sache nicht zur Alltäglichkeit werden zu lassen, ist eine schwere Aufgabe. Oft erkennt man den Schein der Sicherheit als Kern des Problems erst, wenn das Schiff bereits auf den Eisberg gestoßen ist. So ist es nicht zuletzt auch in der Musik wichtig, sich einer lieb gewonnen Sache, auch ob ihrer Besonderheiten zu erinnern und sie dadurch lebendig zu halten. Schön, wenn man dabei Hilfe bekommt.

Zwar weiß man nicht erst seit gestern, was für ein Glücksfall Arts & Crafts und Broken Social Scene für die Indie-Landschaft sind, dennoch ist es sehr freundlich, wenn einem dieser Umstand in regelmäßigen Abständen von den Verantwortlichen selbst durch außergewöhnliche Tonträger ins Gedächtnis gerufen wird.

Aktuelles Beispiel ist Charles Spearin, der neben seiner Mitgliedschaft bei BSS ein Fünftel der ebenfalls in Toronto beheimateten Do Make Say Think bildet. Sein Solo-Album „The Happiness Project“ unterscheidet sich, wie könnte es bei dieser bunten Mischung von Musikern auch anders sein, grundlegend von anderen Einzelschicksalen aus dem Kreis der Scene, wie etwa Brendan Canning oder Jason Collet. Statt regulärem Songwriting, sammelte Spearin die Ideen für seine Lieder aus den Stimmen seiner Nachbarn. Aus Aufzeichnungen von Gesprächen über Zufriedenheit und persönliches Glück, entstanden so Melodien, die Spearin mittels zahlreicher Instrumente und Samples zu Songs weiterentwickelte.

So ungewöhnlich die Herangehensweise, um so größer das Erstaunen, wie sanft, rund und natürlich diese Aufnahmen klingen. Da erkennt man im ersten Stück „Mrs. Morris“ noch deutlich den spoken word-Charakter, doch schon „Anna“ entführt mit Jazz und Bossa Nova in eine stilvolle Couchgarnitur, aus der man auch nicht wieder aufstehen mag, wenn mit „Vittoria“ der Swing Einzug hält. Wundervoll nachvollziehbar wird die Arbeitsweise Spearins in „Vanessa“, wo man die nahezu symbiotische Analogie von Wort und Ton präsentiert bekommt. „Marisa“ klingt dann beinahe etwas nach der Beta Band und überhaupt, sind diese Lieder weit mehr Pop-Tüftelei, als sie zunächst zugeben möchten. Auch „Ondine“ ist dank abendlicher Jazz- und Blues-Atmosphäre keineswegs selbstgefällige Technik-Spinnerei eines Kommunikationswissenschaftlers.

Wer etwas für fantasievollen Indie-Pop wie CocoRosie oder The Magnetic Fields übrig hat, sollte den Versuch wagen, sich von Charles Spearin und seinen NachbarInnen „The Happines Project“ erklären zu lassen. Derartige Alben sind rar gesät und deshalb kostbar. 


 

Freunde

 
 
 
 

Wir Präsentieren:

 
 
 
 

Prunkstücke