Interpret:
Casiokids
Plattentitel:
Topp Stemning På Lokal Bar
Label:
Moshi Moshi / Rough Trade
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.5 von 10
Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 30.08.2010
Die Casiokids waren diesen Festivalsommer eine dieser Bands, die man überall gesehen hat. Der Unterschied zu anderen solcher Sorte war, dass man in eine Abhängigkeit verfallen ist. Ihre Shows zu sehen, ihre Songs zu hören wurde zum notwendigen Rausch. Und so wurde der restliche Sommer stets mit einer fröhlichen Melodie durchlebt. Casiokids waren der c/o pop Moment 2010, sind die Newcomer aus Norwegen und liefern mit „Topp Stemning På Lokal Bar“ - frei übersetzbar mit „Super Stimmung in der hiesigen Bar“ - nun endlich den Sommersoundtrack 2010 ab.
In Bergen zählen sie längst nicht mehr zum Geheimtipp, und treten nun auch den internationalen Siegeszug bei Moshi Moshi Records an. „Topp Stemning På Lokal Bar“ ist das erste Album in norwegischer Sprache, das in Europa und den USA veröffentlicht wird. Allerdings hat das Quintett bereits vorher schon Musik gemacht. Nach ausgiebigen Tourneen mit Of Montreal und der Moshi-Moshi-Entdeckung Hot Chip haben sie nun ihren Songkatalog komprimiert und acht Songs auf einem Album zusammengestellt. Ihr leichter Rundumschlag über Techno, Afro-Beat und Pop macht sie zu der Neuentdeckung des Jahres und wird ihnen auch sicher den Erfolg im Land hinter dem großen Wasser garantieren.
Auf knappen vierzig Minuten geht es direkt los mit der „Super Stimmung“. „Grønt Lys I Alle Ledd“ brettert mit punktierten Drums, zackigen Gitarren und fröhlichen Synths los, bis die Stimme ein wenig Ruhe und Ordnung in das Geschehen bringt. Man muss schnell feststellen, dass man kein Wort versteht. Doch nach anfänglichem Bedauern über das verpasste Sprachverständnis stellt sich der Vorteil dieser Bildungslücke heraus. Die Falsett-Stimme vom Sänger operiert als neuartiges Instrument und legt die Leichtigkeit und Unbekümmertheit des Casiokids-Sounds für jeden frei. Man muss sich immerzu dabei ertappen, wie man völlig seelenruhig und zufrieden versucht, die Melodien mitzusingen und dabei sicherlich nicht immer vorteilhaft in den Augen der vorbeifahrenden Autofahrer aussieht. Doch das ist es, was man bei den Casiokids lernt: Selbstzufriedenheit, mit dem was man hat, egal in welchem Tierkostüm man gerade steckt und wie verweint das Gesicht auch ist. Egal wie scheiße du dabei aussiehst, weiter tanzen.
„Verdens Største Land“ mutiert mit seinem Fiepsen, Klicken, Knarren und Zirpen schnell zum Lieblingslied und lädt im Refrain zum ausgelassen Tanz ein und es scheint, als feierten alle ein rauschendes Fest. Wenn es hier noch der Kindergeburtstag im Sonnenschein und Zuckerüberguss ist, dann ist es in „Fot I Hose“ die feuchtfröhliche und übernächtigte Clubnacht mit Sekt auf Eis. „Finn Bikkjen“ geht dann noch mit gesteigerter Kopfstimme und treibenden Beats steil und verleitet den Hörer zum tothören, nur dass beim vierzigsten Hördurchgang immer noch kein Tod in Sicht ist. Irgendwo soll auch noch eine norwegische Version von James Yuill's „Left Handed Girl“ versteckt sein, die jedoch scheinbar bis zur Unkenntlichkeit verändert wurde und zwischen dem alternativen, innovativen Sound der Casiokids verloren geht, oder besser den Hören im Deckmantel auf die Tanzfläche zieht. Hier gibt es keine Lückenfüller, alles ist am rechten Platz und dieses Album hätte um das doppelte länger sein können. So viel Energie es abverlangt, so bekommen es die erweiterten Sinne doppelt zurück. Doch leider wird „Min Siste Dag“ zum ruhigen Grand Finale, das langsam mit Arpeggios und zurückgenommenen Beat die Ruhe in die Boxen leitet.
Das diese Indie-Platte im überquellenden Indie-Wühltisch innovativ und neu erscheint, ist einfach eine Tatsache. Dennoch hat man das bittere Gefühl, nächstes Jahr nichts mehr von dieser Neuerscheinung zu sehen. Doch fürs erste kann man das vergessen, einfach auf Play drücken und glücklich sein und danach beten, dass das nur der Anfang war.
Video: „En Vill Hest"