DETAILS

Interpret:
Camera Obscura

Plattentitel:
My Maudlin Career

Label:
4AD / Beggars Group / Indigo

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 04.05.2009

PLATTENKISTE

Camera Obscura - My Maudlin Career

Camera Obscura - My Maudlin Career

Geht es um Musik, ist Glasgow ein Quell nicht enden wollender Schaffenskraft. Und das bei Leibe nicht erst seit gestern, respektive Franz Ferdinand. Bereits 1996 fanden sich Camera Obscura zusammen und legen nun ihr viertes Studioalbum vor. Konnte sich die Band in der Vergangenheit dank dem Status der Lieblinge von Radio-Guru John Peel besonders in Großbritannien einen guten Ruf erspielen, so blieb es in Resteuropa über weite Strecken beim Insider-Tipp.

Um das zu ändern vertraute man die Produktion des jüngsten Werks nun Jari Haapalainen an, der bereits mit Peter, Bjorn & John oder The Concretes, sein gutes Händchen für volle und doch luftige Pop-Aufnahmen  bewiesen hat. Zudem gereicht es ihm zum Vorteil, mit ausdrucksstarken Frauenstimmen umgehen zu können und so steht der einnehmende, an Ronnie Spector, Dusty Springfield und Lesley Gore geschulte Gesang im Zentrum der glänzenden, warm schillernden Lieder.

Das Album heißt nicht umsonst „My Maudlin Career“, was sich in etwa als Karriere der Herzschmerzen übersetzen ließe. So übernimmt Sängerin Tracyanne Campbell die Rolle der Verliebten, Enttäuschten und Verlassenen. Camera Obscura vertonen ein repräsentatives Tagebuch  gebrochener Herzen. „I wanted to control it/ but love I couldn't hold it“, heißt es da im Chorus von „French Navy“ und die Melodie fließt ebenso bitter süß, wie der klare und doch eingängige Text.

Die Lieder beschreiben charmant und  nachfühlbar bekannte Situationen und Gefühle. „The Sweetest Thing“ beginnt damit, dass sich die Protagonistin bei einem Date wiederfindet, um eine vergangene Liebe zu vergessen. Die Wunde klafft noch immer, dessen ist sie sich bewusst und doch fällt ihr nichts anderes ein, um den Schmerz zu verdrängen. Musikalisch ein früher Höhepunkt der Platte, ist das Lied in eine Melodie gekleidet, die großes Gefühlskino illustriert.

Es folgen viele weitere Songs, die einem schon beim zweiten Hören angenehm vertraut vorkommen, ohne jedoch den Raum für zukünftige Entdeckungen zu verbauen. Große Popmusik muss genau das leisten, um auch außerhalb ihrer Zeit zu wirken. Die Schotten erschaffen mit „My Maudlin Career“ in elf Kleinoden ein schillerndes Mosaik des Liebeskummers. Dieses Album vergisst man nicht schon im nächsten Frühling, sondern wird es immer dann bemühen, wenn einem nach Gefühl zumute ist.


 

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