DETAILS

Interpret:
Broken Social Scene

Plattentitel:
Forgiveness Rock Record

Label:
Arts & Crafts / City Slang / Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 03.05.2010

PLATTENKISTE

Broken Social Scene - Forgiveness Rock Record

Broken Social Scene - Forgiveness Rock Record

Oh ja! Endlich! Das Warten hat ein Ende! Die kanadische Super-Band Broken Social Scene aus Toronto veröffentlicht nach fünf Jahren wieder eine gemeinsame Platte. Doch weg waren sie vor allem als Band nie. Die letzten beiden Veröffentlichungen von den beiden Band-Gründern Kevin Drew und Brendan Canning standen ja bekanntermaßen unter dem Label „Broken Social Scene Presents:...“. Ein Zustand, der deutlich machte, dass sie sich selbst auf den sogenannten Solo-Pfaden noch immer als Band verstanden. Der Unterschied lag einfach darin, dass auf diesen Alben lediglich Songs von Drew bzw. Canning zu hören waren, die aber in der altbekannten Großfamilie mit immer wechselnden Mitgliedern der Band Broken Social Scene aufgenommen und produziert wurden. Zwei wirklich beeindruckende Alben waren es geworden, die, wie hätte es anders sein sollen, aber nie nach etwas anderem geklungen haben als Broken Social Scene. Die Freunde verstehen sich halt musikalisch, egal wer gerade im Mittelpunkt steht.

Mit „Forgiveness Rock Record“, dem nun vierten Album als Broken Social Scene, greifen sie ihre Strukturen wieder dort auf, wo sie sie 2005 nach Veröffentlichung ihres mit Eigennamen versehen Albums haben fallen lassen. Jetzt waren sie wieder alle gleichberechtigt vereint im Studio, holten sich mit Teilen von Tortoise und The Sea And Cake neue Musiker ins Studio und ließen ihre Ideen erneut zu einem harmonischen Großwerk verschmelzen. Das Problem, dass zu viele Köche den Brei verderben, scheinen BSS wirklich nicht im Geringsten zu kennen, denn die Konstanz, in der sie Alben in immer gleich hoher Qualität veröffentlichen und dennoch sehr kreativ und experimentierfreudig bleiben, ist bei ihnen mehr als beeindruckend.

Somit ist „Forgiveness Rock Record“ etwa der einschläfernd-monotone Zustand einer Band geworden, die bereits nach zwei Alben alles gesagt, gespielt und produziert hat, was ihr durch den Kopf geht. So wie alle bisher veröffentlichten BSS-Alben ist auch dieses abwechslungsreich charmant und schöpft mit seinem Facettenreichtum in 14 Songs des kunstvollen Indie-Post-Rocks aus den Vollen. Und dabei kommt nicht ein einziges Mal das Gefühl auf, dass das hier kein Album der Kanadier geworden ist, denn diese Platte ist, wie ein Titel es schon sagt: „Forced To Love“.

Wie schon gesagt, sie sind Freunde, die sich mit jedem Riff vom opulent-verspielten Opener „World Sick“ bis hin zur schummrigen Schlussnummer „Me And My Hand“ verstehen. Dazwischen passiert dann noch eine ganze Menge mehr. Nicht dass sie es schon vorher gemacht haben, aber auffällig ist an „Forgiveness Rock Record“, dass BSS dieses Mal vermehrt auf elektronische Elemente wie wummernde Synthesizer und sachte hämmernde Drumcomputer setzen. In „Chase Scene“ oder „All To All“ wird dies unter anderen besonders deutlich. Im Vordergrund stehen die beiden Bestandteile aber nie. Auch hier gelingt es BSS stets, das Gesamtbild ausgewogen und mit seinen Instrumenten unaufdringlich klingen zu lassen. Bläser, Streicher, Klaviere, kleine Chöre, dreifache Gitarren, Schlagzeug und Bass sind einfach ein perfekt aufeinander abgestimmtes Team. Da macht es weniger aus, dass das hypnotische „Chase Scene“ nicht zum Stärksten gehört, was man von BSS bisher gehört hat. Ein Zustand, der aber umgehend vom nervösen, an „You Forgot It In People“-Zeiten erinnernden, „Texico Bitches“ getilgt und im himmlischen, weil von den BSS-Frauen gesungenen „All To All“ weitergeführt wird. Da schmelze ich dahin.

Es ist immer eine Freude, ihren gekonnten Wechseln aus temperamentvollen Anleihen wie in „Art House Director“, „Water In Hell“ oder „Meet Me In The Basement“, die dann auch noch voll auf die Rock-Tube drücken, sich dabei aufschaukeln, und den kleinen, rührseligen Momenten wie „Sentimental X's“ oder „Sweetest Kill“, zu lauschen. Höre ich eine Broken Social Scene-Platte, geht mein Herz auf und ich will sie alle um mich herum haben, meine Freunde. Denn sie sind alle so herrlich vielschichtig und doch so angenehm familiär in ihrer Art, wie es ein Broken Social Scene-Album ist. Sie überraschen mich immer wieder, schenken Geborgenheit und versüßen das Leben. Und das werde ich jetzt machen: „A friend, a friend you used to call“.

Stream: „Forgiveness Rock Record“

 


 

Freunde

 
 
 
 

Wir Präsentieren:

 
 
 
 

Prunkstücke