Interpret:
Broken Social Scene Presents: Brendan Canning
Plattentitel:
Something For All Of Us…
Label:
Arts & Crafts / Al!ve
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Michael Weber
Köln, 16.09.2008
Vor gut einem Jahr saßen wir gemeinsam mit Kevin Drew und Brendan Canning, den Gründervätern von Broken Social Scene, in Köln bei einem Interview. Kevin Drew war gerade auf Tour um das erste Album der „Broken Social Scene Presents:…“ Reihe vorzustellen, das unter seiner Leitung produziert wurde. Das Album war gerade veröffentlicht, da kündigte auch schon Brendan Canning an, dass auch er gerade an seinem „Solo-Werk“ arbeite und dieses ebenfalls mit dem uneigenützigen Titel „Broken Social Scene Presents:…“ veröffentlicht werden würde. Die Band, deren wechselnde Mitglieder nie still zu stehen scheinen, hat anscheinend keine Zeit für Lobhudeleien für vergangene Taten. „Immer weiter“ scheint bei ihnen das wichtigste Motto zu sein.
Aber auch die Kanadier treffen nicht immer auf gesamter Album-Länge den richtigen Ton, so liegt mit „Something For All Of Us…“ dann auch schon das erste Werk vor, das nicht so recht nach vorne will und im Vergleich zu den vorherigen Alben eher unscheinbar daherkommt. Auch wenn das Interesse der Fan-Gemeinde wohl so groß war, dass - sehr zum Ärger Cannings - noch vor der Veröffentlichung eine nicht fertig gemasterte Kopie im Web kursierte, dürfte dieses Interesse der Fans dann doch wohl eher auf die anfängliche Begeisterung zurückzuführen sein.
So kautzig, schläfrig Canning einem auf Bildern erscheinen mag, so klingen er und seine Auswahl von 20 Mitgliedern des Broken Social Scene-Kollektivs dann auch. Die elf Songs auf „Something For All Of Us…“ können klanglich betrachtet ruhig ins Haus dieser Ausnahmeband ziehen, jedoch sind sie bei weitem nicht so spritzig wie das, was Kevin Drew noch vor einem Jahr gemacht hat oder Broken Social Scene in den unterschiedlichsten Variationen der letzten Jahre. Des Weiteren sind sie auch nicht so klar, wie das was man vielleicht von dieser Band erwarten würde. Was teilweise auch auf Cannings in den Bart gesungene Worte zurückzuführen ist.
Auch wenn die gleichnamige Eröffnungsnummer gleich vom Start weg wie eine melancholisch positiv gestimmte Rock`n´Roll-Nummer klingt, tritt sie nicht so recht in den Vordergrund, sondern hält sich hinter einem mit Bass-Druck beladenen Klang-Vorhang versteckt. Dieser Bass-Druck mag sich wie eine wohlige Decke anfühlen, aber er ist etwas, das auf der gesamten Länge der Platte wie ein Tick klangliche Verdichtung zu viel wirkt. Die Single „Hit The Wall“ zum Beispiel ist eine vor Euphorie strahlende Indie-Post-Rock-Nummer, die auf die viel gestreuten Steigerungen der Band setzt, aber irgendwann vom Bass erschlagen wird. Wenn dann noch die Stimme schon fast dreckig gefiltert wie in „Churches Under The Stairs“klingt, dann hat man es fast nur noch mit einer zähen Masse an Musik zu tun, die übermäßig facettenreich und wundervoll ist, aber einen immer in eine Döserei wirft, anstatt wach zu rütteln. Das auf Bläsern ruhig wiegende Duett mit Amy Millan sagt es vom Namen her schon fast von alleine aus, um seinen klanglichen Ansatz auf diesem Album zu verstehen: „Been At This So Long“.
So wird man sich als Zuhörer auf „Something For All Of Us…“ wohl eher an Fragmenten oder Stimmungen orientieren, als eine ganze Strecke von Songs ins Herz zu schließen. Da gäbe es zum Beispiel den unwiderstehlichen Groove in „Love Is New“ aber auch die Bläser mit ihren gestochenen Akzenten machen hier und in „Chameleon“ eine richtig gute Figur. Es ist aber auch die Fahrt, die einige der Songs aufnehmen können, wenn die Gitarren so schön schwelgend aufgedreht werden und kleine Noise-Soli dahin zaubern. Und „All The Best Wooden Toys Come From Germany“ klingt wie ein möglicher Múm-Social-Scene-Klon, der auf Mikro- und Makro-Ebene des Sounds zu operieren scheint. Insgesamt ist Cannings Solo-Debut ein verspieltes und mit vielen Instrumenten verdichtetes Album geworden. Er schöpft aus dem Vollen, wenn er in die große Instrumente-Kiste greift und deren Feinheiten aufeinander prallen lässt. Er macht eben das, was man von Broken Social Scene gewohnt ist, nur auf seine etwas andere Weise.