DETAILS

Interpret:
Broadcast 2000

Plattentitel:
dto.

Label:
Grönland / Cargo

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
6.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 22.02.2010

PLATTENKISTE

Broadcast 2000 - dto.

Broadcast 2000 - dto.

Joe Steer hatte nicht gerade einen Bilderbuch-Start in seine Karriere. Seine Debüt-EP Building Blocks ist vor zwei Jahren gerade so mit einem blauen Auge an unseren strengen Qualitätsanforderungen vorbeigekommen. Wenn man sich überlegt, dass die Songs auf der EP lediglich Experimente waren, die in seiner Londoner Wohnung stattfanden, und laut eigenen Angaben seine Stimme nur als Orientierung dienen sollten für einen späteren, richtigen Sänger, ist das nicht ungewöhnlich. Wenn man sich jedoch weiter überlegt, dass Joe Steer aka Broadcast 2000 eine Ein-Mann-Band ist und diese Experimente in Eigenregie entstanden sind, ist das schon wieder was anderes.

Nun sind eben zwei Jahre ins Land gezogen und Broadcast 2000 hat sich den Wind nicht aus den Segeln nehmen lassen. Alles begann jedoch, wie es bei den meisten beginnt. Als Teenager versuchte sich der junge Joe Steer am Songschreiben. Direkte Folge war die Bandgründung mit dem besten Freund. Während dem Musikstudium verlässt dieser das Land und deren Band Artisan löst sich auf. Es dauert nicht lange, bis Steer zurückgezogen in seiner Wohnung sein eigenes Projekt startet. Sein selbst betiteltes Album - jetzt mit im Boot der Violinist von Noah & The Whale - ist nun bei Grönemeyers Label Grönland erschienen.

Alle zehn Songs auf diesem Album sind in seinem Schlafzimmer in der Bickerton Road in London entstanden. Das hat man auf Building Blocks gehört und das hört man auch hier. Damals wahrscheinlich aus Mangel an Finanzen und heute aus Liebe zum Detail. „Rouse Your Bones“ leitet mit verspieltem Glockenspiel und einer Stimme ein, auf die man nicht Stolz sein muss, für die man sich jedoch sicher nicht zu schämen braucht. Zwischen den Takten ein kräftiger Ausruf von Trompeten und Konsorten, verbunden durch die zarte Violine von Tom Hobden. Nach einer knappen Minute befindet man sich mitten im Geschehen. Songs, die man schon von der EP oder Stromanbieter-Werbung kennt, wie „Get Up And Go“ oder „Don't Weigh Me Down“, wurden durch die Hand von Eliot James - unter anderem Produzent von Bloc Party - tauglicher gemacht. Dabei versuchte man, das Schlafzimmerflair beizubehalten. Ob dies nun gelungen ist, sei mal dahin gestellt. Fakt ist, dass Broadcast 2000 diesmal sicherlich kein blaues Auge verdient hat.

Ganz im Gegenteil. Die Ein-Mann-Band, die sich irgendwo zwischen Balkan Brass und Los Campesinos! verloren hat, findet sich auf einem musikalisch interessanten, jedoch etwas einseitigen Album wieder. Somit bleibt das Experiment von Joe Steer ein temporäres Vergnügen, aber dennoch ist es ein Vergnügen.

Video: „Rouse Your Bones“

Broadcast 2000 - Rouse Your Bones from Jr.canest on Vimeo.

 

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