Interpret:
Bring The Mourning On
Plattentitel:
Going Going Gone
Label:
Stargazer Records / Broken Silence
VÖ:
28.10.2011
Punkte:
8.0 von 10
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 26.10.2011
Beim ersten Hören dieses Albums fühlte ich mich sieben bis zehn Jahre zurückversetzt. In Herbst- und Wintermonate, die ihren wärmenden Soundtrack von Künstlern wie Kristofer Aström, Christian Kjellvander, St. Thomas oder Teitur erhielten. Melancholische Musik aus dem Norden Europas stand hoch im Kurs, eine Reihe von Alben entstand, die zukünftige Schreibergenerationen als Klassiker bezeichnen werden.
Es mag also eine minimale Dosis Nostalgie mitschwingen, wenn ich „Going Going Gone“ von Bring The Mourning On zu einem der besten Debütalben des Jahres erkläre. Dennoch ist es keinesfalls ein verklärter Blick zurück, der einen in dieser schwedischen Band einen Rohdiamanten erkennen lässt. Vier junge Menschen spielen Lieder gegen einsame Abende und sind sich der heiklen Aufgabe bewusst, Tragik und Herzschmerz zwar mit großer Geste, jedoch ohne Kitsch zu verarbeiten.
Es gelingt ihnen mit Bravour und so darf man sich in Stücke wie das sanfte „Rise Till Summer" fallen oder sich vom bluesigen „I Flunked My Math“ aufheitern lassen. Sehr schön ist auch das schwelgerische „42“, bei dem im Gesang aus voller Seele gelitten werden darf. Spätestens, wenn der weibliche Duettpart einsetzt, fällt Weghören schwer. Auch das nicht minder hübsche „Changes“ folgt diesem Muster.
Bring The Mourning On mögen große Kulissen, verzichten jedoch auf Pomp. So füllen die oftmals wuchtig rollenden Melodien zwar jedes Wohnzimmer, bewahren sich jedoch einige Ecken und produktionstechnische Schroffheit. Der treibende „Paul Jensen Blues“ etwa scheppert und drückt und hat gerade deshalb sogar das Zeug zum Hit. So etwas könnte man in der Indiedisco nach den Shout Out Louds spielen.
Solche Alben hört man, wenn man abends mit dem ehemaligen Mitbewohner auf dem Teppichboden sitzt, in Erinnerungen schwelgt und aus ein paar Gläsern Rotwein Flaschen werden. In diesem Winter geht es nicht ohne Bring The Mourning On.
Stream: „Rise Till Summer"